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«Trap» überrascht: Statt Mauer-Taktik zu offensiv

Stuttgart (dpa) - 15.08.2005, 12:44 Uhr

Matip, Springer, Podolski und Feulner (v.l.) freuen sich über das 1:0.
Matip, Springer, Podolski und Feulner (v.l.) freuen sich über das 1:0.

Die erste Trapattoni-Euphorie ist verflogen. Stattdessen ist ein ernüchterter VfB Stuttgart nach dem Bundesliga-Fehlstart nun nach der ersten Heimpleite der Saison auch noch mit einer Personaldiskussion beschäftigt.

«Defensiv-Meister» Giovanni Trapattoni überraschte beim 2:3 (0:1) gegen den 1. FC Köln mit einer zu offensiven Aufstellung. «Ich habe gedacht, dass wir vorne mitspielen können, aber nun müssen wir erst einmal sehen, was diese Saison für uns drin sein wird», sagte der 66-Jährige, der zudem mit der Nichtberücksichtigung des VfB-Urgesteins Zvonimir Soldo für zusätzlichen Diskussionsstoff sorgte.

Erstmals stand der Mannschaftskapitän nicht in der Startformation, obwohl der mit 37 Jahren älteste Spieler der Fußball-Bundesliga gesund war. «Ich wollte sehen, was die Mannschaft ohne Zvonimir macht, denn ein Trainer muss auch etwas probieren. Ich weiß, welchen Wert er für die Mannschaft hat», sagte Trapattoni ungefragt, weil er um die Brisanz seiner Entscheidung wusste. Schon Soldos Auswechslung beim 1:1 in Duisburg war überrascht registriert worden, ihn im ersten Saison-Heimspiel 90 Minuten auf der Ersatzbank schmoren zu lassen, kam einer Demütigung gleich.

Musterprofi Soldo bewahrte nach dem Spiel Haltung, nur die finstere Miene und die wenigen, aus schmalen Lippen herausgepressten Sätze ließen etwas von seinem Seelenzustand erahnen. «Das ist neue Erfahrung für mich. Mir tut ein bisschen der Rücken weh. Ich bin es wohl nicht gewohnt, auf der Bank zu sitzen», sagte Soldo. Trapattoni habe ihn vorher von seiner Entscheidung informiert. «Er hat es nicht begründet und ich habe nicht gefragt. Er ist der Trainer, er muss so etwas entscheiden», sprach Soldo und ging. Der «Vater der Mannschaft» (Trapattoni über Soldo) wurde als Schaltzentrale vor der Abwehr schmerzlich vermisst. «Wir nahmen die Tore ein bisschen wie Kinder», gab «Trap» zu.

Gegen eine größtenteils desolat wirkende Stuttgarter Abwehr hatten es FC-Kapitän Lukas Podolski als genialer Passgeber sowie die Torschützen Markus Feulner (9. Minute) und Albert Streit (47./55) beängstigend leicht. «Es ist keine einfache Sache für den VfB ohne Zvoni. Er ist ein wichtiger Spieler für uns», sagte Silvio Meißner, der in der 35. Minute mit einem schwach geschossenen Foulelfmeter an FC-Torwart Stefan Wessels scheiterte. Trotz der Nackenschläge bewies der VfB Moral, doch zu mehr als den Treffern durch Marco Streller (58.) und Christian Tiffert (69.) reichte es nicht. Dass die 49 000 Zuschauer die Niederlage nicht mit einem gellenden Pfeifkonzert quittierten, zeigt, dass Trainer und Team noch Kredit haben.


VfB-Sportdirektor Briem bemühte sich, Brisanz aus der Personalie Soldo zu nehmen. «Es wird immer Härtefälle geben. Die Jungs müssen sich auch einmal freischwimmen. Die Tore haben mit der Aufstellung nichts zu tun», sagte er. «Es ist noch nichts passiert. In zwei, drei Wochen werden solche Dinge nicht mehr passieren.»

Mit dem perfekten Saisonstart von sechs Punkten ist Aufsteiger Köln ein einstelliger Tabellenplatz durchaus zuzutrauen. «Wir wussten, was für ein Druck in Stuttgart herrscht. Das war ein psychologischer Vorteil», sagte FC-Trainer Uwe Rapolder. Keine derartigen Gedanken machte sich Podolski, der trotz seiner starken Leistung für das Länderspiel gegen die Niederlande unberücksichtigt blieb. Gefragt nach den Gründen für den Sieg, meinte er: «Wir haben drei Tore geschossen. Eins mehr als Stuttgart.»

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