Der FC Bayern München präsentiert sich vor dem Start in die neue Bundesliga-Saison wie gewohnt mit breiter Brust, hinter den Kulissen herrscht jedoch ein wenig Skepsis über die eigene Leistungsstärke.
«Natürlich wollen wir wieder deutscher Meister werden», kündigte Trainer Felix Magath vor der Eröffnungspartie mit dem Klassiker gegen Borussia Mönchengladbach wie selbstverständlich an. Doch der Chefcoach warnte auch: «Höchstleistungen sind erst Mitte September möglich, bis dahin werden wir brauchen, um unseren Rhythmus zu haben. Deshalb müssen wir aufpassen, dass wir in den ersten Wochen nicht zu viele Punkte verlieren.»
Der Transferpoker um Michael Ballack, ein anstrengender Fünf-Tage-Trip nach Japan und mehr als ein halbes Dutzend durch den Confed-Cup geschlauchte Nationalspieler haben beim FC Bayern keine optimale Vorbereitung zugelassen. Der einzige echte Test im Halbfinale des Ligapokals gegen den VfB Stuttgart (1:2) ging verloren. «Ich freue mich, dass es endlich los geht. Jetzt müssen wir es beweisen. Wir wollen einen guten Start hinlegen und gegen Gladbach gewinnen», sagte Ballack vor dem ersten Bundesliga-Spiel in der mit 66 000 Zuschauern ausverkauften neuen Allianz Arena.
Das WM-Stadion ist bei seiner Liga-Premiere eine weitere große Unbekannte für den Rekordchampion. Während Manager Uli Hoeneß auf dem Weg zum angestrebten 20. Meistertitel auf die Arena setzt («Erst jetzt wird sich das besondere Flair zeigen»), hat Präsident Franz Beckenbauer auch Bedenken: «Der Druck wird beträchtlich sein. Da muss man aufpassen, dass man nicht nur Hurra-Fußball spielt und dem Gegner ins offene Messer läuft», warnte der «Kaiser». Wie die Konkurrenz aus Schalke und Wolfsburg hatten auch die Gegner aus Gladbach die Premiere in ihrem neuen Stadion im Vorjahr nicht gewinnen können.
Ein Erfolg der Borussia beim großen, alten Rivalen wäre aber eine große Überraschung. Erst einmal in der Bundesliga-Geschichte konnte Mönchengladbach 1995 bei den Bayern gewinnen, 29 Niederlagen und 103 Gegentore sind deutliches Indiz für die Münchner Heim-Überlegenheit. «Die Bayern sind natürlich haushoher Favorit, aber wir rechnen uns etwas aus», sagte Borussen-Coach Horst Köppel, der erstmals seit 13 Jahren wieder als Cheftrainer in eine Saison startet. Wegen der Japan-Reise des Gegners in der Vorwoche setzt Köppel auf müde Bayern-Spieler.
Die Münchner müssen wohl nur auf den an Achillessehnen-Problemen laborierenden Nationalspieler Bastian Schweinsteiger verzichten. Magath hat somit erstmals die Qual der Wahl und könnte sogar einige wegen des Confed-Cups erst seit gut zwei Wochen trainierende Nationalspieler schonen. «Alle sieben werden sicher nicht zum Einsatz kommen», sagte Magath. Kollege Köppel plagen hingegen gerade im Angriff Sorgen. Nach der Verletzung von Wesley Sonck (Rippenbruch) stehen nur noch Oliver Neuville und Vaclav Sverkos für 90 Minuten zur Verfügung.
Giovane Elber wird bei seiner zweiten Rückkehr zur alten Wirkungsstätte nur als Joker einsetzbar sein. Im Herbst 2003 hatte er für Olympique Lyon den 2:1-Siegtreffer in der Champions League gegen die Bayern erzielt. Diesmal sorgte der von dem Brasilianer in einigen Boulevard-Zeitungen angekündigte Striptease nach einem eventuellen Torerfolg schon vor dem Spiel für mächtig Wirbel. «Er ist immer für ein Tor gut. Da haben wir ja einiges zu erwarten», sagte Ballack.