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Bundesliga im Sog der WM

Düsseldorf (dpa) - 03.08.2005, 14:10 Uhr

Bayern-Keeper Oliver Kahn hält die Meisterschale fest in Händen.
Bayern-Keeper Oliver Kahn hält die Meisterschale fest in Händen.

Die Fußball-Bundesliga steht vor einer der wichtigsten Spielzeiten ihrer Geschichte. Mit dem Anpfiff zum Klassiker zwischen Bayern München und Borussia Mönchengladbach am 5. August in der schmucken Allianz-Arena beginnt der Countdown für die WM 2006.

Das globale Spektakel im eigenen Land schafft optimale Bedingungen für wirtschaftliche Zuwachsraten - und soll der im internationalen Vergleich zuletzt schwächelnden Spielklasse auch sportlich weiterhelfen. «Für die Bundesliga stecken in der Weltmeisterschaft große Chancen. Die WM wird eine Sogkraft entfalten, für Sponsoren, Zuschauer und Spieler», meint Christian Seifert.

Ein erster Blick auf die Zahlen gibt dem neuen Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) recht. Beim Trikotsponsoring knackten die 18 Clubs erstmals die 100-Millionen-Euro Grenze. Größer denn je ist auch die Nachfrage bei den Dauerkarten: Eine Woche vor dem Start der 43. Saison wurden 372 535 Jahrestickets und damit 10,3 Prozent mehr als in der Rekordspielzeit 2004/2005 verkauft. Der Reiz der neuen Arenen trägt zur boomenden Entwicklung bei: Schließlich rollt der Ball durch 11 von 12 WM-Arenen, die den Zuschauern höchsten Komfort garantieren.

Nur wenn der Gegenwert stimmt, kann sich dieser positive Trend fortsetzen. Mehr als über das Geschehen auf dem Rasen wurde in der vorigen Saison über den Wettskandal oder die drohende Insolvenz von Borussia Dortmund geredet. Rein sportlich dagegen hielt sich der Unterhaltungswert der Liga in Grenzen. Schon am 31. Spieltag war die Meisterschaft zu Gunsten des FC Bayern entschieden, die Abstiegsfrage bereits eine Woche vor dem Saisonkehraus geklärt. Eine desaströse deutsche Europacup-Bilanz trug zum Gerede über schwindende Qualität bei. Wie im Vorjahr stand kein Bundesligist in einem internationalen Halbfinale.

Das soll sich ändern. «Die WM ist der beste Lockvogel für Leistung und erhöht den Druck auf viele Spieler, die sich für ihre Nationalelf empfehlen wollen», orakelt Rudi Völler, der Sportchef von Bayer 04 Leverkusen. Demnach macht die Aussicht auf einen Stammplatz bei der Endrunde vielen nationalen und internationalen Stars der Liga Beine. Wie die Fußball-Fans schöpft auch der frühere Teamchef der deutschen Nationalmannschaft Hoffnung aus dem Confederations Cup. Eine ähnlich offensive Spielkultur wie bei der famosen WM-Generalprobe wäre für die Bundesliga beste Werbung in eigener Sache.


Die Meisterprognosen der 18 Trainer klingen jedoch wenig verheißungsvoll. Demnach droht den Fans ein ähnlich langweiliger Titelkampf wie in der vorigen Saison. Immerhin 14 Fußball-Lehrer setzten auf Branchenprimus Bayern München. Als ärgste Rivalen werden der FC Schalke und der SV Werder Bremen gehandelt. Vor allem in Gelsenkirchen reifen nach dem Triumph im Ligapokal Meisterträume. «Wir waren Zweiter in der Meisterschaft und im Pokal, und niemand will sich verschlechtern, das ist klar», sagte Schalke-Coach Ralf Rangnick in einem Interview mit der «Westfälischen Rundschau».

Ähnlich bedenkenswert wie das sportliche Niveau war zuletzt der Schuldenstand der Liga. Nicht nur deshalb setzen viele Vereine verstärkt auf seriöse Haushaltsführung. Besonders radikal fallen die Sanierungsmaßnahmen beim Sorgenkind Borussia Dortmund aus. Auf 26,5 Millionen Euro belaufen sich die Personalkosten beim einstigen Branchenriesen. Noch vor Jahren lagen sie bei fast 60 Millionen Euro.

Um Kosten zu sparen, wurden vielerorts die Kader abgespeckt. Allerdings bewiesen die Vereine trotz aller Sparzwänge erstmals seit Jahren wieder mehr Mut zu Investitionen: Knapp über 75 Millionen Euro wurden für neue Akteure ausgegeben. Am tiefsten griffen die Bayern für Valérien Ismael (Werder Bremen) und der VfB Stuttgart für Jon Dahl Tomasson (AC Mailand) in die Tasche. Beide Asse kosteten je acht Millionen Euro. Schalke stand dem kaum nach: Kevin Kuranyis Transfer (Stuttgart) ließ sich der Bayern-Jäger sieben Millionen kosten.

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