Schalke hofft auf Gnade für Rot-Sünder
Leipzig (dpa) - 03.08.2005, 13:59 Uhr
Schiedsrichter Lutz Wagner zeigt dem Schalker Lincoln (Nr. 10) die Rote Karte.
Die Platzverweise haben Rudi Assauer die Freude am ersten Ligapokal-Gewinn im dritten Final-Anlauf gründlich vermasselt. «Das bedeutet gar nichts», grummelte der Manager des FC Schalke 04 in den Katakomben des Leipziger Zentralstadions launisch. Weder der so genannte erste Titel der Saison noch die 1,85 Millionen Euro Preisgeld stimmten den Zigarren-Fan versöhnlich. Denn die Roten Karten ausgerechnet gegen die Erfolgs-Garanten Kevin Kuranyi und Lincoln ließen Assauer trotz eines noch ausstehenden Sportgerichts-Urteils mit ungutem Gefühl auf den Bundesliga-Auftakt gegen den 1. FC Kaiserslautern blicken. «Wir spielen ohne Zwei», gab er seine düstere Vorahnung wieder. Das Sünder-Duo hatte in der 10. Minute des Ligapokal-Endspiels vor 40 500 Zuschauern zunächst mit einem genialen Spielzug die tief stehende Abwehr des VfB Stuttgart ausgespielt: Lincoln passte mit der Hacke auf Kuranyi, der mit seinem ersten Pflichtspiel-Tor für die «Knappen» den entscheidenden Treffer erzielte. Die Freude über den Treffer zum 1:0-Sieg währte aber bei dem Nationalspieler nur 57 Minuten. Nach einem Revanchefoul an Gegenspieler Silvio Meißner sah Kuranyi Rot. «Ich fand, es war harmlos. Von meiner Sicht aus hätte ich gedacht, dass ich die Gelbe Karte kriege. Natürlich war das ein kleiner Schock für mich. Ich hoffe, dass ich nicht mehr als ein Spiel Sperre bekomme», meinte Kuranyi, der vor dieser Saison aus Stuttgart nach Gelsenkirchen gewechselt war.
Kurz vor Schlusspfiff sah dann Passgeber Lincoln Rot, nachdem er dem Stuttgarter Thomas Hitzlsperger ins Gesicht gespuckt hatte. «Bei Kuranyi war das nicht ein so grobes Foul, um es mit Rot zu bestrafen. Aber das von Lincoln gehört bestraft», zürnte Assauer über die Unbeherrschtheit des Brasilianers. «Das war sehr dumm von unseren beiden Spielern. Wir hatten das Spiel in der Hand. Ich fürchte, dass sie lange fehlen werden», sagte Kapitän Ebbe Sand und erinnerte an den Dortmunder Sebastian Kehl, der im Ligapokal-Finale 2003 den Schiedsrichter geschubst hatte und für sechs Spiele gesperrt wurde. Während Kuranyi noch mit einem blauen Auge in Form einer Sperre im künftigen Ligapokal davonkommen könnte, muss Lincoln mit einer harten Strafe rechnen. «Spucken gehört zu den schwersten sportrechtlichen Vergehen», betonte DFB-Pressesprecher Harald Stenger. Die Fälle liegen nun beim Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): Bis zum 5. August soll das Sportgericht des Deutschen Fußball- Bundes (DFB) getagt und entschieden haben. Schalkes Trainer Ralf Rangnick monierte im spielerischen Bereich trotz Überlegenheit die mangelnde Chancenverwertung. «Wir hätten deutlicher führen müssen. Selbst bei einem 3:0 hätten wir über ausgelassene Chancen geklagt», sagte Rangnick, dessen Team das Spiel bestimmt hatte und die Stuttgarter nie zur Entfaltung kommen ließ. «Es gibt keine Entschuldigung. Wir haben in der ersten Halbzeit überhaupt nicht gespielt. Da war keine Initiative. Ich hatte mehr Courage erwartet», kritisierte VfB-Trainer Giovanni Trapattoni sein Team, forderte zugleich aber auch Geduld ein.
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