Bundesliga: 71,13 Millionen Euro für 135 Neue
Düsseldorf (dpa) - 26.07.2005, 15:06 Uhr
Jon Dahl Tomasson jubelt ab sofort im Stuttgarter Trikot.
Die Talsohle an der Wechselbörse der Fußball- Bundesliga ist durchschritten, die Umsätze auf dem Transfermarkt sind seit vier Jahren erstmals wieder gestiegen. Trotz aller Sparzwänge beweisen die Vereine der Fußball-Bundesliga vor der 43. Spielzeit wieder mehr Mut zu Investitionen. Bis zehn Tage vor dem Start der Saison 2005/2006 gaben die 18 Elite-Clubs insgesamt 71,13 Millionen Euro für 135 neue Spieler aus. Dem stehen Gesamt-Einnahmen von 75,54 Millionen Euro für 156 abgegebene Akteure gegenüber, so dass die Transferbilanz unter dem Strich erstmals seit vielen Jahren sogar einen kleinen Ertrag von 4,41 Millionen Euro ausweist. Dies ergab eine Erhebung der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Zwei wichtige Ergebnisse sind festzuhalten: Die schon im Vorjahr zu beobachtende Trendwende zu steigenden Ausgaben für Neuzugänge hat sich fortgesetzt. Nachdem vielen Clubs durch die Kirch-Krise und TV-Mindereinnahmen der Geldhahn zugedreht worden war, waren die Investitionen vom Rekordjahr 2001/2002 (150 Millionen Euro) bis zur Saison 2003/2004 (32,5 Millionen Euro) völlig eingebrochen. Es gab kaum Umsätze an der Wechselbörse. Nun haben die Bundesligisten erstmals seit Jahren nicht nur mehr ausgegeben, sondern auch hohe Einnahmen durch Spielerverkäufe erzielt. Das meiste Geld wurde sogleich reinvestiert. 2003 waren lediglich 8,1 Millionen Euro in die Kassen geflossen, diesmal sind die Einnahmen fast zehn Mal so hoch.
Von den 135 neu verpflichteten Spielern waren «nur» noch rund zwei Drittel ablösefrei. Den teuersten Spieler in diesem Sommer leistete sich wieder einmal der FC Bayern München, der für Valérien Ismael 8,0 Millionen Euro an den SV Werder Bremen überwies. Für angeblich dieselbe Summe sicherte sich der VfB Stuttgart die Dienste des dänischen Nationalstürmers Jon Dahl Tomasson. Damit reinvestierten die Schwaben bisher aber nur einen Teil der durch die Rekordverkäufe von Alexander Hleb (für 15,0 zu Arsenal London) und Kevin Kuranyi (für 7,0 zu Schalke 04) erzielten Einnahmen. Der VfB weist (8,5 Mio. Euro Ausgaben/23,5 Mio. Euro Einnahmen) ein Plus von 15,0 Millionen Euro aus. Das ist die mit Abstand beste Transferbilanz aller Elite-Clubs. Dem VfL Wolfsburg brachte der Verkauf von Martin Petrow (Atletico Madrid) 10 Millionen Euro und die zweitbeste Bilanz, aber auch sportlichen Substanzverlust. Immerhin ein Drittel aller Clubs hat mehr Geld eingenommen als ausgegeben. |
Der Trend, die aufgeblähten Kader zu verkleinern und mehr auf Qualität zu setzen, hielt an. Nur der 1. FC Nürnberg (7 Zugänge/6 Abgänge) sowie die Aufsteiger MSV Duisburg (10/9) und Eintracht Frankfurt (11/6) holten mehr Spieler als sie abgaben. Die Hessen haben durch die für den angestrebten Klassenverbleib notwendigen Investitionen auch die negativste Transferbilanz (- 4,0 Millionen Euro) neben Hannover 96 (- 3,95) und Werder Bremen (-3,60). Werder holten in Torsten Frings (6,0), Patrick Owomoyela (2,0), Leon Andreasen (1,8) und den im Vorjahr ausgeliehenen ägyptischen Stürmer Mohamed Zidan (3,0) gleich vier ablösepflichtige Kräfte. Vizemeister Schalke 04 ließ sich Kuranyi zwar 7,0 Millionen Euro kosten, verpflichtete Stars wie Fabian Ernst und Zlatan Bajramovic aber ablösefrei. Im Gegenzug spülten Ailton (Istanbul), Mike Hanke (Wolfsburg), Sven Vermant (Brügge) und Michael Delura (nach Hannover ausgeliehen) etwa 6,5 Millionen in die Knappen-Kasse. Der bisher einzige Bundesligist, der alle neuen Spieler (6) zum Nulltarif holte, ist der 1. FC Kaiserslautern. Keinerlei Einnahmen durch Spielerverkäufe verbuchten Hertha BSC, Duisburg und Frankfurt. Die höchste Fluktuation wird in Hannover registriert. Trainer Ewald Lienen krempelt sein Team kräftig um. 14 Spieler verließen die Niedersachsen, 12 neue Gesichter werden den Fans präsentiert. Interessant ist auch die Herkunft der 135 Neuen. Davon sind nur 57 Ausländer. So wird deutlich, dass sich die Vereine immer mehr um deutsche Spieler, vor allem auch aus dem eigenen Nachwuchs bemühen. Oder wie die finanziell angeschlagene Borussia aus Dortmund auf Nachwuchskräfte bauen müssen. Die Westfalen präsentieren zwar auch 11 «Neue», darunter aber vier Spieler der in die Oberliga abgestiegenen Amateure. Der 17-jährige Sebastian Tyrala und der erst 16 Jahre alte Nuri Sahin wurden sogar aus der BVB-B-Jugend zu den Profis befördert.
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