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Ehemalige FCK-Führung schwer belastet

Kaiserslautern (dpa) - 22.07.2005, 14:55 Uhr

Jürgen Friedrich auf dem Weg ins Gericht.
Jürgen Friedrich auf dem Weg ins Gericht.

Mittelfeldregisseur Lincoln vom FC Schalke 04 hat die ehemalige Führung des Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern am letzten Verhandlungstag vor einer dreiwöchigen Sommerpause schwer belastet.

Der Brasilianer bestätigte in dem Verfahren gegen das frühere Führungstrio des FCK, dass sein Ex-Verein über Dritte eine Million Mark an ihn überwiesen habe und erhärtete damit die Vorwürfe der Anklage. Die Summe sei zusätzlich zu dem im offiziellen Spielervertrag aufgeführten Gehalt gezahlt worden.

Details der Vertragsverhandlungen, die zu dieser Zahlung führten, kenne er nicht. Diese seien zwischen seinem Manager und dem damaligen FCK-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Friedrich geführt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft Friedrich sowie dessen ehemaligem Vorstands-Kollegen Gerhard Herzog und Ex-Aufsichtsratschef Robert Wieschemann Steuerhinterziehung und Untreue vor.

Lincoln zeigte sich im Nachhinein erschüttert von den Sitten am Betzenberg: «Ich hätte nicht gedacht, dass es bei einem Club wie dem 1. FC Kaiserslautern solche Probleme gibt.» Der vor einem Jahr nach Schalke gewechselte Brasilianer, der Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung erstattet hatte, erklärte, er sei vom derzeitigen FCK-Chef René C. Jäggi massiv unter Druck gesetzt worden, die Wahrheit zu sagen. Jäggi habe gedroht, wenn er dies nicht tue, würde der FCK sein Gehalt nicht weiterzahlen und er könne ins Gefängnis kommen. «Ich bin fast gestorben», antwortete Lincoln auf die Frage, ob er deswegen Angst gehabt habe.

Ciriaco Sforza bestätigte ebenfalls, dass er über seinen Spielervermittler rund eine Million Mark an unversteuerten Zahlungen erhielt. Wer für den FCK die Verhandlungen geführt habe, wisse er nicht. Die entsprechenden Verträge dazu habe er sich nicht angesehen. Sforzas Verpflichtung durch den FCK gehört allerdings nicht zu den in Kaiserslautern angeklagten Steuerhinterziehungen, obwohl Friedrich und Wieschemann zum damaligen Zeitpunkt den Verein führten.


Vor Lincoln hatte bereits Taribo West in einer schriftlichen Aussage verdeckte Gehaltszahlungen durch die Pfälzer eingeräumt. In einer früheren Verhandlung hatte zudem der Lauterer Anwalt und Spielervermittler Andreas Kirsch ausgesagt, Friedrich habe in Verhandlungen mit ihm erklärt, man könne einen Teil des von dem Spieler Nenad Bjelica verlangten Geldes «über Persönlichkeitsrechte darstellen». Kirsch habe dies abgelehnt, im Nachhinein von einem Geschäftspartner aber erfahren, dass Gelder an Bjelica über Scoutingverträge geflossen seien.

Die früheren Aufsichtsräte des 1. FC Kaiserslautern sagten im wesentlichen übereinstimmend aus, sie seien von dem damaligen Führungstrio nicht informiert worden, dass im Zusammenhang mit Spielerverpflichtungen Verträge mit Firmen im Ausland abgeschlossen wurden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass diese Firmen die dadurch erhaltenen Gelder zum größten Teil an die Spieler weiterleiteten und dass dies als verdeckte Gehaltszahlung zu werten ist.

Die Angeklagten bestreiten die ihnen zur Last gelegten Vorwürfe. Die Verteidiger haben die Vernehmung von zehn bisher nicht benannten neuen Zeugen, darunter die Schwiegertochter von Jürgen Friedrich, beantragt. Die Verhandlung wird am 15. August fortgesetzt.

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