Frankfurt wehrt sich gegen Position bei Gewalt-Fans

Frankfurt/Main (dpa) - 21.11.2012, 15:54 Uhr
Frankfurt wehrt sich gegen Position bei Gewalt-Fans
Eintracht Frankfurt wehrt sich gegen die Darstellung seiner Fans. Foto: Fredrik von Erichsen

Fans von Eintracht Frankfurt haben sich schon selbst als «deutschen Randalemeister» bezeichnet - sehr zum Ärger ihrer Vereinsverantwortlichen. Jetzt wehrt sich der Bundesliga-Aufsteiger gegen eine Rangliste, wonach er die meisten Gewalt-Anhänger aller Proficlubs hat.

«Unabhängig von der grundlegend holzschnittartigen Darstellung der Zahlen vernachlässigt diese Übersicht die Tatsache, dass Eintracht Frankfurt die größte Anzahl auswärtsfahrender Fans in Deutschland mitbringt und deshalb auch Vergehen und Ordnungswidrigkeiten in höherer Anzahl vorkommen», heißt es in einer Pressemitteilung der Hessen.

Die «Bild»-Zeitung hatte die Eintracht in einer Tabelle mit Problem-Fans an die Spitze der 36 Clubs aus der 1. und 2. Bundesliga gestellt. Das Potenzial der Randalierer insgesamt im deutschen Fußball ist in der vergangenen Saison jedenfalls deutlich gestiegen. Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) spricht in ihrem Jahresbericht von 11 373 «gewaltgeneigten» und «gewaltsuchenden» Anhängern in den beiden oberen Ligen. Gegenüber der Spielzeit 2010/11 habe die Zahl um 1688 Personen (17,5 Prozent) zugenommen.

Eine Rangliste der Vereine mit derartigen Fans habe die bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen angesiedelte ZIS nicht erstellt, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Die Zahlen der einzelnen Clubs wolle man auch «nicht bewerten».

Der sportlich brillierende Bundesliga-Rückkehrer vom Main ist sich nach eigenen Angaben bewusst, «dass es innerhalb der Fanszene Täter und Störer gibt, die das Bild von Eintracht Frankfurt mit ihrem Verhalten in der Öffentlichkeit beschädigen». Der Verein verweist aber auch auf seine großen Anstrengungen, um die Gewalttäter in den Griff zu bekommen. «In der Gesamtbetrachtung belegt nicht zuletzt der Besuch von durchschnittlich 47 000 Zuschauern bei Heimspielen ein friedliches und sportliches Miteinander», heißt es.

Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen dementierte zudem ein Zitat, wonach er gesagt haben soll, «dass Eintracht Frankfurt aufgrund des Fanverhaltens zu den unsympathischsten Vereinen Deutschlands gehört».

Eine unheilvolle Solidarität zwischen normalen Fußball-Fans und Randalierern sieht ZIS-Leiter Ingo Rautenberg als Mitursache für Gewalt im Fußball. «Uns bereitet dabei große Sorge, dass sich friedliche Fans mit Gewalttätern solidarisieren und diese Gruppendynamik zu einem größeren Gefahrenpotenzial führt. Von diesen Situationen berichten uns die Kollegen immer wieder», sagte der 55-Jährige in einem «Tagesspiegel»-Interview.

Selbst in der 3. Liga gibt es nach ZIS-Informationen noch 2336 Problem-Fans, in den drei Regionalligen 2780. «Eine Trendwende, die einen Rückgang des gewaltbereiten Potenzials in den Anhängerschaften der Vereine der Bundes- bis Regionalligen indizieren würde, ist weiterhin nicht erkennbar», heißt es in dem Bericht.

Die ZIS hatte in ihrem Jahresbericht über die Saison 2011/2012 einen massiven Zuwachs an Gewalttaten verzeichnet. Die Zahlen werden seit 20 Jahren erhoben, Rautenberg sprach von einem «neuen Höchststand».

Während die Deutsche Fußball Liga (DFL) am 12. Dezember mit den Proficlubs das neue Sicherheitskonzept verabschieden will, sieht Rautenberg im längst angewandten und fortgeschriebenen «Nationalen Konzept Sport und Sicherheit» eine gute Handlungsgrundlage. «Außerdem setze ich auf die Selbstregulierung der Fans. Mit den friedliebenden Fans suchen wir den Dialog, aber gegen die Gewalttäter gehen wir weiterhin konsequent vor», sagte er dem «Tagesspiegel».