Sponsoreinnahmen steigen auf 130 Millionen Euro
Düsseldorf (dpa) - 16.08.2012, 14:16 Uhr
Werder-Geschäftsführer Allofs (r) präsentiert mit Wiesenhof-Mann Stryck das neue Werder-Trikot. Foto: Carmen Jaspersen
Branchenführer Bayern München kann durch die Zuwendungen seines Trikotsponsors einen halben Javier Martínez finanzieren. Doch für die meisten Vereine sind die Hauptgeldgeber eine unverzichtbare Wirtschaftsgrundlage. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur dpa hat die Fußball-Bundesliga ihre Einnahmen durch das Trikotsponsoring in der Saison 2012/2013 abermals auf Rekordhöhe gesteigert. Rund 130 Millionen Euro (Saison 2011/1012: 120 Millionen Euro) lassen sich die derzeit noch 17 Unternehmen die begehrte Werbefläche kosten. Der 1. FC Nürnberg - beim offiziellen Fototermin noch mit dem Schriftzug «Der Club» auf den Leibchen - ist zuversichtlich, bis zum Saisonstart in gut einer Woche noch einen Trikotpartner präsentieren zu können. Sollte kein Sponsor gefunden würde, müsste FCN-Vermarkter Sportfive eine garantierte Summe von drei Millionen Euro überweisen.
Für den FC Bayern sind das Peanuts. Durch den weltweit höchsten Bekanntheitsgrad ist der Rekordmeister der nationalen Konkurrenz in Sachen Werbewirksamkeit nach wie vor weit voraus. Bis zu 23 Millionen Euro überweist die Deutsche Telekom nach Experten-Schätzungen an die Münchner, die in den Medien, insbesondere dem TV, die größte Präsenz genießen. Doch selbst die Telekom-Millionen reichen nicht aus, um davon den Transfer des spanischen Weltmeisters Martinez zu finanzieren - geschweige denn dessen Gehalt. Angeblich besteht Athletic Bilbao auf einer fixierten Ablösesumme von 40 Millionen Euro für Bayerns Wunschspieler, dessen Kauf vom Aufsichtsrat bereits genehmigt wurde. Hinter München liegt vermutlich der VfL Wolfsburg (VW/20,0) auf Rang zwei, obwohl weder Werksclub noch Automobil-Unternehmen offiziell Zahlen nennen. Der von Felix Magath gelenkte Club liegt damit noch vor Schalke 04 (Gazprom/16,0) und Meister Borussia Dortmund (Evonik/12,0), der seine erfolgsabhängigen Einnahmen durch das Double in diesem Jahr nochmals gesteigert haben dürfte. |
Nicht nur spöttische Wortspiele («Hühnerbrüste»), auch laute Proteste von Tierschützern und massenhaft Vereinsaustritte handelte sich Werder Bremen durch den 6,5-Millionen-Euro-Deal mit Wiesenhof ein. Als «mutig für beide Seiten» bezeichnete Geschäftsführer Klaus Allofs die zunächst für zwei Jahre geschlossene Partnerschaft mit dem umstrittenen Geflügelhersteller, der häufig in die Schlagzeilen geriet. «Trikotwerbung für Massentierhaltung - damit verkauft Werder seinen Seele», schimpft der agrarpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Friedrich Ostendorff. Auch Tierschutzorganisationen wie PETA und Deutscher Tierschutzbund kritisieren den Sponsorvertrag, mit dem sich Werder womöglich ein «foules Ei» ins eigene Nest legte. Ärger gab es auch bei Aufsteiger Eintracht Frankfurt, der nach dem Ausstieg des Flughafenbetreibers (Fraport) nun für Bier (Krombacher) Reklame macht. Die Sauerländer sicherten sich mit dem Einstieg die Ausschankrechte in der Commerzbank-Arena für sechs Jahre. Auf dem Eintracht-Trikot wird der Namenszug des Getränke-Giganten aber nur ein Jahr zu sehen sein. «Wer mit Alkohol wirbt, muss sich auch verpflichtet fühlen, Suchtprävention zu leisten», forderte Hessens Innenminister Boris Rhein. Mehr Applaus gab es für Stuttgart, weil endlich der Stern auf dem roten Brustring prangt. Von dieser Saison an wirbt der VfB für die Mercedes-Benz Bank, die sich ihr Engagement beim schwäbischen Vorzeigeclub rund 7,0 Millionen Euro pro Jahr kosten lässt. Selbst von solchen Summen können der FC Augsburg (AL-KO/1,8) und Neuling SpVgg Greuther Fürth (Ergo Direkt/1,5) nur träumen. Die beiden kleinen Clubs sind in der Sponsoringliste die Schlusslichter. Übersicht der Trikotsponsoren: | Verein | Trikotsponsor | Einnahme pro Saison |
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| Saison 2012/2013 | in Mio Euro |
|---|
| Bay. München | Deutsche Telekom | 23,0 | | VfL Wolfsburg | VW | 20,0 | | Schalke 04 | Gazprom | 16,0 | | Bor. Dortmund | Evonik | 12,0 | | VfB Stuttgart | Mercedes-Benz Bank | 7,0 | | Hamburger SV | Emirates | 7,0 | | Werder Bremen | Wiesenhof | 6,5 | | Bayer Leverkusen | Sunpower | 6,0 | | Eintr. Frankfurt | Krombacher | 5,5 | | Bor. Mönchengl. | Postbank | 5,0 | | 1899 Hoffenheim | Suntech | 4,5 | | FSV Mainz 05 | Entega | 4,0 | | Hannover 96 | TUI | 3,5 | | Fort. Düsseldorf | Otelo | 3,0 | | SC Freiburg | Ehrmann | 2,5 | | FC Augsburg | AL-KO | 1,8 | | Greuther Fürth | Ergo Direkt | 1,5 | | 1. FC Nürnberg | - | | | Gesamt: | | 128,8 |
Die Trikotsponsoren sind für die Vereine der Fußball-Bundesliga seit vielen Jahren eine wichtige und verlässliche Einnahmequelle. 1973 genehmigte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die «Werbung am Mann», nachdem Günter Mast (Jägermeister) als Erster mit dem Logo des Spirituosenherstellers auf den Trikots von Eintracht Braunschweig geworben und eine neue Marktlücke entdeckt hatte.
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