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Tscheche Gebre Selassie vor Wechsel nach Bremen

Charkow (dpa) - 16.06.2012, 14:22 Uhr

Gebre Selassie steht bei Werder Bremen auf der Wunschliste. Foto: Maciej Kulczynski
Gebre Selassie steht bei Werder Bremen auf der Wunschliste. Foto: Maciej Kulczynski

Den Unterschied macht ein fehlendes «e» und eine kleine Lücke. Wenn man den Namen des tschechischen Nationalspielers Theodor Gebre Selassie hört, ist die Assoziation mit dem Wunderläufer Haile Gebrselassie unvermeidbar.

Dass der weltberühmte Langstreckler, Olympiasieger und vielfache Weltrekordler aus Äthiopien nicht als «Namenspate» fungierte, ist kaum vorstellbar. So ist die Geschichte überliefert, dass Gebre Selassies äthiopischer Vater Chamola, der vor mehr als 30 Jahren als Arzt nach Tschechien kam, seinen Namen ändern ließ, weil er von Gebrselassies Gold-Lauf bei Olympia 1996 in Atlanta über 10 000 Meter so begeistert war. Damals war der Heiligabend 1986 geborene Theo neun Jahre alt.

Egal ob die Story stimmt, wie Gebrselassie stammen Gebre Selassies Vorfahren aus dem ostafrikanischen Land. Weil seine Mutter aber Tschechin ist, konnte sich der Profi vom Meister Slovan Liberec zum ersten Schwarzen in der Fußball-Auswahl seines Heimatlandes hocharbeiten. Und es gilt als ziemlich sicher, dass der in Trebíc geborene 25-Jährige mit dem deutschen Vornamen Theodor der «Gambrinus-Liga» nach der EM den Rücken kehrt.

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Obwohl er in Liberec noch einen Vertrag bis 2013 besetzt, wird der vom ehemaligen Bundesligaprofi Miroslav Kadlec betreute Gebre Selassie wohl bei Werder Bremen anheuern. Zwar sind auch Stuttgart, Genk, Dnjepropetrowsk und englische Vereine interessiert, doch der Rechtsverteidiger tendiert klar zum Weser-Club. «Werder ist zurzeit ganz nah. Ich würde gern in der Bundesliga spielen. Das wäre super», erzählt der 25-Jährige, der sich in der deutschen Eliteklasse bestens auskennt und vor allem die Entwicklung der Landsleute Tomas Pekhart (Nürnberg) und Petr Jiracek (Wolfsburg) verfolgt.

Da auch Vaclav Pilar zu den «Wölfen» wechselt, hätte es Gebre Selassie von Bremen nicht weit, um die Auswahlkollegen zu treffen. Werder-Chef Klaus Allofs streitet den Kontakt zu Berater Kadlec nicht ab: «Er ist ein Spieler, der uns sehr interessiert. Und er würde gern kommen.» Der Transfer scheint nur eine Frage der Zeit. Als Ablösesumme sind 1,5 bis zwei Millionen Euro im Gespräch. «Er will ins Ausland, dort den nächsten Schritt machen. Ein Wechsel in die Bundesliga wäre sicher interessant», bestätigt Kadlec, der Vater von Bayer-Profi Michal Kadlec. «Die Entscheidung fällt nächste Woche.»


Für Schlagzeilen beim Turnier in Polen und der Ukraine sorgte Gebre Selassie unfreiwillig, weil gegnerische Fans ihn beim 4:1 der Russen gegen Tschechien zum EM-Auftakt rassistisch beleidigten. Doch auch in der Heimat wird Gebre Selassie von einigen Dummköpfen nicht akzeptiert. «Es tut mir leid, wenn es jemand als Problem sieht, wenn ich für Tschechien spiele», sagt Gebre Selassie.

Mit der Minderheit von Andersdenkenden, die ihn wegen seiner Hautfarbe anfeinden, kann er nichts anfangen. Insbesondere, weil er als Tscheche fühlt und denkt. «Ich lebe hier mein ganzes Leben. In Äthiopien war ich zum letzten Mal, als ich zwei Jahre alt war. Damals waren im Lande Unruhen und mein Vater musste dort als Arzt helfen.»

Mit 19 Jahren stand Gebre Selassie schon vor dem Karriere-Aus. Seine Mutter ist Lehrerin und wollte, dass er studiert. Doch das passte mit den Profiplänen des Sohnes nicht zusammen. Schließlich nahm er das Angebot aus Jihlava an. Über Mezirici landete er bei Slavia Prag. Dort kam er mit dem strengen Trainer Karel Jarolim nicht zurecht. So ging der Kino-Fan nur ein Jahr später (2008) nach Liberec, wo er zum Stamm-Nationalspieler reifte. Und womöglich geht sein Wunsch bald in Bremen in Erfüllung: «Ich will nicht als Spieler in Erinnerung bleiben, der bei der EM ausgebuht wurde. Die Leute sollen mich wegen meiner Leistung akzeptieren.»

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