BVB feiert sportliche Wiederauferstehung
Dortmund (dpa) - 04.04.2005, 13:16 Uhr
BVB-Trainer Bert van Marwijk (r) gratuliert Ebi Smolarek nach dem Spiel.
Monatelang gab nur Ärger, nun endlich wieder Grund zur Freunde. Fans und Profis feierten die sportliche Wiederauferstehung von Borussia Dortmund. Mit dem 2:1 (2:0) über Hertha BSC setzte der lange Zeit von der Insolvenz bedrohte Club seinen Aufwärtstrend fort. Mittelfeldspieler Sebastian Kehl war glänzender Laune: «Es macht langsam wieder Spaß, auf die Tabelle zu gucken. Unser Rang ist endlich wieder einstellig - das war schon lange nicht mehr der Fall.» Die frohe Kunde von der finanziellen Rettung des Fußball-Unternehmens am 14. März hat neue Kräfte freigesetzt. Siege über die UEFA-Cup-Aspiranten aus Hamburg (3:2) und Berlin verhalfen den Borussen erstmals seit dem 7. Spieltag wieder auf Rang neun. Damit rückte der UI-Cup in greifbare Nähe. Nicht nur Christian Wörns wittert Morgenluft: «Der Mannschaftsgeist ist wieder zurück. Der war uns in der Hinrunde verloren gegangen.» Wie schon gegen den HSV präsentierte sich die noch vor Monaten als seelenlose Zweckgemeinschaft kritisierte Mannschaft als geschlossene Einheit mit hoher taktischer Disziplin. Vor allem die beiden Torschützen Ewerthon (24.) und Ebi Smolarek (36.) stellten die beste Abwehr der Liga vor große Probleme. Darüber hinaus erwies sich Schlussmann Roman Weidenfeller, vom Fachmagazin «Kicker» vor der Partie als «Spieler des Monats» geehrt, erneut als großer Rückhalt. «Er ist unglaublich gut», lobte Trainer Bert van Marwijk.
Die noch in der Winterpause als mögliche Abstiegskandidaten gehandelten Borussen träumen nun von der Rückkehr auf die europäische Bühne. Doch die Chance auf vermeintliche Zusatzeinnahmen verleitet die Vereinsspitze nicht wie in der Vergangenheit zu finanziellen Drahtseilakten. Im Gegenteil: Intensiver denn je denkt sie über eine Kostenreduzierung nach. Das üppige Gehalt von Tomas Rosicky wird der mit rund 90 Millionen Euro verschuldete Verein wohl nicht mehr aufbringen müssen. Nach zwei überrangenden Länderspielen für Tschechien blieb der Regisseur nicht nur den Nachweis seiner Klasse, sondern auch das Treue-Bekenntnis für den BVB schuldig. «Es ist besser, wenn ich zu diesem Thema nichts sage», meinte der in der 81. Minute ausgewechselte Rosicky. Dessen mäßige Vorstellung wollte Trainer van Marwijk jedoch nicht als Indiz für schwindende Identifikation mit dem Club werten: «Er war krank. Noch am Morgen war nicht klar, ob er überhaupt spielen konnte.» Bei anderen ist die Entscheidung schon gefallen: Sportmanager Michael Zorc ließ den Brasilianer Evanilson wissen, dass der Verein die Option auf Verlängerung des Vertrages nicht ziehen wird. Darüber hinaus werden Sunday Oliseh und Andre Bergdölmo ausgemustert. Im Fall Niclas Jensen stehen die Zeichen ebenfalls auf Trennung. Liebend gern fortsetzen würde der BVB dagegen die Zusammenarbeit mit Smolarek. Doch das Dortmunder Angebot, den kleinen Wirbelwind ein weiteres Jahr auszuleihen,stößt bei Feyenoord Rotterdam auf wenig Gegenliebe. «Müsste er zurück, wäre das für ihn ein Rückschritt», sagte BVB- Präsident Reinhard Rauball.
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