In der Bundesliga hatte Hertha überhaupt erst zweimal höher verloren: 1980 gegen den HSV und 1991 in Bremen setzte es jeweils 0:6-Niederlagen. Immerhin wurde dem Coach ein Negativ-Rekord bei Auftaktniederlagen erspart: Uwe Reinders war 1993 mit fünf Bundesliga-Niederlagen in Serie gestartet. Am Sonntag nach der Klatsche von Stuttgart war es in Berlin zu skurrilen Szenen gekommen, als rund 200 aufgebrachte Fans das Vereinsgelände stürmten. Zunächst folgten die Anhänger einem Teil der Mannschaft - die mit dem Auslaufen begonnen hatte - stumm, anschließend organisierte ein Fan-Beauftragter eine Aussprache mit 15 Spielern. Kurzzeitig wurde die Situation brenzlig, als die vorwiegend schwarz gekleideten Anhänger mit einigen Profis heftig stritten. «Ich geh' länger zur Hertha, als du hier spielst!», brüllte ein Anhänger. «Heute hatten die Fans alles Recht der Welt, uns zu kritisieren», räumte Mijatovic nach einer 35 Minuten langen Diskussion ein. Die Fans hätten vor allem mehr Kampf von den Profis gefordert. «Das ist das einzige, was ich versprechen kann», betonte Mijatovic. Schon am Samstag hatten der Innenverteidiger und Teamkollegen in Stuttgart mit den erzürnten Fans diskutiert, während andere wie geprügelte Hunde vom Rasen schlichen. «Das war eine katastrophal desolate Leistung. Wenn wir so weiterspielen, steigen wir ab», sagte Mijatovic. Coach Skibbe schaute so sauertöpfisch wie lange nicht mehr, Manager Preetz machte eine Leichenbittermiene. Mittelfeldmann Peter Niemeyer meinte niedergeschlagen: «Die erste Halbzeit war unser Spiel grausam. In der zweiten Halbzeit war es grausam, überhaupt auf dem Platz zu stehen.» Auf die Frage, ob er im nächsten Match gegen Borussia Dortmund noch auf der Trainerbank sitzen werde, hatte Skibbe noch am Samstag geantwortet: «Ja, davon gehe ich aus.»
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