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Meister der Fußball-Diplomatie: Rauball wird 65

Dortmund (dpa) - 25.12.2011, 09:25 Uhr

Reinhard Rauball feiert am 25. Dezember seinen 65. Geburtstag. Foto: Wolfgang Kumm
Reinhard Rauball feiert am 25. Dezember seinen 65. Geburtstag. Foto: Wolfgang Kumm

Er ist ein Mann für schwere Fälle. Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbandes und von Borussia Dortmund, feiert am ersten Weihnachtstag seinen 65. Geburtstag. Den BVB hat er dreimal in der Not gerettet, einige Konflikte im deutschen Profi-Fußball entschärft.

«Ich liebe den Fußball. Ich habe nach wie vor Ziele. Und wenn ich etwas bewegen kann, tue ich es gern», sagte der in Northeim geborene Rechtsanwalt. An ein Rentnerdasein verschwendet der Präsident des Ligaverbandes und des BVB keine Gedanken. «Ich fühle mich wie 42 oder 44 Jahre alt - je nach Tagesform», meinte Rauball, für den der Geburtstag «nichts besonderes» ist: «Es ist die Wiederholung eines Tages, den ich schon 64 Mal hinter mir habe.»

Im Europameisterschaftsjahr 2012 wird er viele Herausforderungen zu bestehen haben. «Das Thema Gewalt steht in den nächsten zehn Jahren ganz oben auf der Agenda», nennt Rauball ein elementares Zukunftsthema. «Die Gewalt hat im Fußball einmal eine minimale Rolle gespielt, da müssen wir wieder hinkommen.»

Von grundlegender Bedeutung für die 36 Clubs der Deutschen Fußball Liga (DFL) wird auch sein, welche Erlöse aus der Vergabe der Fernseh-Verwertungsrechten für die Spielzeiten von 2013/14 bis 2016/17 erzielt werden können. «Das ist die finanzielle Basis der Liga-Vereine», erklärte Rauball vor dem TV-Poker, hält sich aber mit Prognosen über den Ausgang zurück: «Ich zähle nicht zu denen, die das Fell schon vorher verteilen und Prophezeiungen machen, bevor die Arbeit getan ist.» Der derzeitige TV-Vertrag bringt den Vereinen durchschnittlich 412 Millionen Euro pro Saison.

Für die EM hat der noch amtierende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, Rauball die Delegationsleitung und damit eine wichtige Rolle übertragen. «Natürlich würde ich sie an den neuen Präsidenten weitergeben, wenn er dann schon im Amt ist», meinte Rauball zum bevorstehenden Wechsel im Präsidentenamt. Einziger Kandidat ist DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.


Dem Team von Bundestrainer Joachim Löw traut er in Polen und der Ukraine viel zu, aber ein Selbstläufer ist der EM-Sieg für ihn nicht: «Dass wir eine Mannschaft haben, die in der Tat entscheidend mitspielen kann, ist weithin bekannt. Dass es auf dem Weg zum Titel einige Unwägbarkeiten gibt, ebenfalls.» Stolz auf die glänzende Talentsuche- und Förderung in der Bundesliga schwingt beim Liga-Chef mit, wenn er feststellt: «Wir könnten theoretisch zwei Mannschaften zur EM schicken, die beide gut mitspielen würden.»

Dass Borussia Dortmund 2011 deutscher Meister wurde und als Tabellenzweiter erneut um den Titel mitkämpft, erscheint Rauball sieben Jahre nach der Fast-Insolvenz wie ein Mirakel. «Wahlweise kann man es einen Traum oder Märchen nennen», sagte er. «Es ist aber immer so im Leben, wenn man solche Begriffe bemüht: Das ist auch harte Arbeit gewesen.» Sie wurde am 14. Mai mit dem höchsten Fußball-Glück belohnt, als der Liga-Präsident dem BVB-Kapitän Roman Weidenfeller die Meisterschale überreichte. «Das war das Nonplusultra», bekannte Rauball.

Er muss es wissen, da er den BVB nicht nur 2004 vor dem Untergang bewahrte. Bereits von 1979 bis 1982 und 1984 bis 1986 übernahm er in prekärer Lage das Präsidentenamt. «Es ist schwer, Nein zu sagen. Wenn es ohne mein Engagement schief gegangen wäre, hätten die Leute sagen können: Du hättest es verhindern können, wenn Du dich bereiterklärt hättest», begründet Rauball die multiple Nothilfe. «Solche Gedanken kommen dann. Da kommt ein Druck und ein Zwang auf.»

In nicht so guter Erinnerung hat das SPD-Mitglied sein Intermezzo als Justizminister-Kandidat von Nordrhein-Westfalen 1999. Neun Tage nach dem der damalige Ministerpräsident Wolfgang Clement ihn öffentlich bestellt hatte, trat Rauball zurück. Vorgeworfen wurden ihm angeblich zweifelhafte Börsengeschäfte. «Diese neun Tage waren viel zu lang», meinte Rauball. «Über Strafanzeigen wurde berichtet. Dass diese eingestellt worden sind, war dagegen nirgendwo zu lesen.»

Bis 2013 ist Rauball sowohl als Liga- als auch als BVB-Präsident gewählt - eine Verlängerung ist nicht ausgeschlossen. «Ich bin bis 2013 gewählt worden und es ist meine Absicht, die Amtszeit so auszufüllen, wie ich es versprochen habe», sagte Rauball. «Über weitere Zeiträume habe ich mir keine Gedanken gemacht.»

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