Dortmunder Bombenleger vor Gericht - Motiv unklar
Karlsruhe (dpa) - 15.12.2011, 15:44 Uhr
Wegen versteckter Sprengsätze hängt ein Absperrband der Polizei neben dem Stadion. Foto: Marcus Simaitis
Er sieht aus, als könnte er kein Wässerchen trüben: höflich, brav, unscheinbar. Doch der 26-jährige Mann soll Anfang des Jahres drei Sprengstoffbehälter in der Nähe des Dortmunder Fußballstadions platziert haben. Ein Jahr zuvor hielt er die Ermittler mit einer Reihe von Erpresserschreiben an die Drogeriemarktkette dm in Atem. Am Donnerstag begann der Prozess gegen ihn vor dem Karlsruher Landgericht. Anklagepunkte sind versuchte räuberische Erpressung sowie Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz. Zu Beginn des auf neun Verhandlungstage angesetzten Prozesses hüllte sich der aus Malsch bei Karlsruhe stammende Mann in Schweigen. Sein Verteidiger Dirk Uden kündigte am Rande der Verhandlung jedoch an, dass sich sein Mandant zu gegebener Zeit äußern werde. Er misst in diesem «sehr speziellen Fall» dem psychologischen Gutachten über die Schuldfähigkeit seines Mandanten eine wichtige Rolle zu. Den bisherigen psychologischen Sachverständigen lehnt er wegen Befangenheit ab.
Oberstaatsanwalt Rüdiger Rehring äußerte sich nur vage zu den Motiven des Mannes, der aus gutem Hause kommt. Der Angeklagte habe bei seinen Taten «aus einer eigenen Fantasiewelt» heraus gehandelt, sagte er. Bis Mitte Januar werden 15 Zeugen und neun Sachverständige vor Gericht aussagen. Davon erhoffen sich die Beteiligten Erkenntnisse darüber, ob es dem Mann in erster Linie um Geld ging oder ob er Anerkennung suchte - oder ob eine psychische Störung vorliegt. Die Anklage geht davon aus, dass der unscheinbar wirkende 26-Jährige im Januar 2010 den ersten Erpresserbrief an die in Karlsruhe ansässige Drogeriekette dm geschrieben hat. Darin forderte er 2,5 Millionen Euro innerhalb von sieben Werktagen, bei Verzögerungen verlangte er für jeden weiteren Tag zusätzlich 250 000 Euro. Für den Fall, dass seine Forderungen nicht erfüllt werden, drohte der Erpresser mit dem Einsatz von Giftgas und Sprengstoff in den Drogeriemarkt-Filialen. |