Labbadia ein Jahr beim VfB: «Habe keinen großen Traum»
Stuttgart (dpa) - 08.12.2011, 13:36 Uhr
Bruno Labbadia arbeitet nun seit einem Jahr als Trainer des VfB Stuttgart. Foto: Marc Müller
Bruno Labbadia ist mit dem VfB Stuttgart noch längst nicht da, wo er hin will. Aber nach dem mühsam geschafften Klassenerhalt und dem aktuellen Angriff auf die Europapokalplätze sieht sich der ehrgeizige und erfolgsbesessene Trainer auf dem richtigen Weg. «Ich habe gelernt, wenn nötig meine Ansprüche herunterzuschrauben, mich zurückzunehmen», sagte Labbadia der Nachrichtenagentur dpa anlässlich seines «Einjährigen» bei dem Fußball-Bundesligisten. «Wir müssen kleine Schritte machen.» Seine heikle Mission als Notarzt im Abstiegskampf hat Labbadia erfüllt. «Wir waren auf der Intensivstation, sind aber zum Glück davongekommen», erinnerte er an die «schwierige Operation». Am 12. Dezember 2010 hatte er den mit nur zwölf Punkten abgeschlagenen Tabellenvorletzten von Kurzzeit-Coach Jens Keller übernommen und bis zum Saisonfinale mühsam auf Platz zwölf gehievt. «Wir mussten am Maximum arbeiten, um das zu schaffen», sagte Labbadia. «Wir haben den Super-GAU verhindert. Der Klassenerhalt steht weit über allem.»
Der zähe Überlebenskampf ist längst Geschichte, in dieser Runde schielen die Stuttgarter Richtung Europacup. Hätte der Tabellensiebte nicht mehrfach leichtfertig Punkte verschenkt, stünde er schon jetzt auf einem Platz fürs internationale Geschäft. «Aus Eigenverschulden - wie zuletzt gegen Köln - haben wir nicht 25 oder 26 Punkte», bemängelte der einstige Torjäger mangelnde Reife und Cleverness seiner Schützlinge in einigen Situationen. Mittelmaß verabscheut Labbadia. Seine (zu) großen Ansprüche und die daraus resultierenden Konflikte brachten ihm bei seinen beiden vorherigen Bundesliga-Stationen Hamburger SV und Bayer Leverkusen Probleme mit einigen Profis ein. Aus diesen bitteren Erfahrungen hat Labbadia seine Lehren gezogen, auch wenn er sich nicht als Schuldigen für die Zerwürfnisse sieht. «Ich bin mit mir im Reinen. Ich gebe mir die Zeit, etwas zu entwickeln», sagte der 45-Jährige dazu knapp. |