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Anleger entscheiden über Schicksal des BVB

Dortmund (dpa) - 13.03.2005, 14:18 Uhr

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei einer Pressekonferenz.
Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei einer Pressekonferenz.

Leben oder sterben? Vor dem wichtigsten Tag der Vereinsgeschichte herrscht in der Fußball-Hochburg Dortmund eine Stimmung zwischen Hoffen und Bangen.

Nicht auf dem grünen Rasen, sondern in der Eventhalle des Düsseldorfer Flughafens wird an diesem Montag über das Schicksal der Borussia entschieden. Nur wenn die 5800 Gesellschafter des Immobilienfonds Molsiris den Sanierungsplänen der BVB-Führung zustimmen, kann die größte Pleite im deutschen Profi- Fußball noch abgewendet werden. «Wenn unser Vorschlag abgelehnt wird, geht hier nichts mehr», bekannte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Die Großmannssucht der vergangenen Jahre hat den BVB in eine höchst prekäre Lage manövriert. Weil kein Plan B existiert, liegt das Schicksal des Traditionsclubs in den Händen der Anleger. Zeigen deren Daumen nach unten, muss die börsennotierte Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA wohl Insolvenz anmelden. Watzke hofft auf ein ähnlich positives Signal wie das der 67 Gläubiger, die dem Sanierungskonzept des Fußball-Unternehmens bereits am 18. Februar zugestimmt hatten: «Es gibt keine Alternative. Das sagt alles.»

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Viel spricht derzeit dafür, dass das Horrorszenario noch abgewendet werden kann. Schließlich würden die Anleger mit einem Veto etwa 40 Millionen Euro ihrer Gesamteinlagen in Höhe von knapp 90 Millionen Euro verlieren. Nicht zuletzt deshalb schlug Molsiris selbst den Gesellschaftern eine Zustimmung zur Borussen-Offerte vor. 15 Prozent des eingezahlten Kapitals müssen anwesend sein oder zuvor per Brief abgestimmt haben, 75 Prozent müssen einverstanden sein. BVB-Geschäftsführer Michael Meier wollte zwar keine Prognose abgeben, war aber verhalten-optimistisch: «Diejenigen, die rational entscheiden, werden das Angebot annehmen, denn es sichert ihnen die vollständige Rückzahlung ihrer Einlage samt Zinsen zu.»

Der BVB-Antrag, einziger Tagesordnungspunkt der außerordentlichen Gesellschafterversammlung, sieht einen Teilrückkauf des Westfalenstadions vor. Der sechsmalige deutsche Meister hatte die WM-Arena vor rund zwei Jahren zu 94 Prozent an den Fonds veräußert und dann für 16 Millionen Euro jährlich zurückgeleast. Spielen die Anleger mit, erhält das Fußball-Unternehmen Zugriff auf ein Depot, dessen Guthaben von derzeit knapp 52 Millionen Euro für den ursprünglich geplanten Rückerwerb des Stadions im Jahr 2017 festgelegt ist.


Für 42 Millionen Euro würde der Club 42,8 Prozent der Stadionanteile zurück kaufen, die restlichen 9 Millionen Euro zur Sicherung der Liquidität verwenden. Angenehmer Begleiteffekt: Die immens hohe Belastung für die Stadionnutzung, die dem Club zuletzt die Luft zum Atmen nahm, könnte erheblich reduziert werden.

Von einer völligen Entwarnung kann auch bei einem positiven Verlauf der Gesellschafterversammlung noch immer nicht die Rede sein. Nur einen Tag später läuft bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) die Frist für die Abgabe der Lizenzunterlagen ab. Die DFL interessiert sich besonders für die Zahlungsfähigkeit der Borussia. Die wäre nach Meinung der BVB-Spitze dank des bereits von den Gläubigern zugesicherten Sofortkredits in Höhe von 6 Millionen Euro und den 9 Millionen Euro aus dem Stadion-Depot bis weit in die nächste Saison hinein gesichert. Watzke will auch die letzte Hürde meistern: «Liquidität und Eigenkapital wären in ausreichendem Maße vorhanden. Nirgendwo steht geschrieben, dass einem Club wegen eines riesigen Schuldenberges die Lizenz verweigert werden kann.»

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