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BVB entzaubert Bayern - Hamburg siegt wieder

Hamburg (dpa) - 20.11.2011, 19:38 Uhr

Der HSV kann doch noch zu Hause gewinnen: Paolo Guerreros 1:0 gegen Hoffenheim brachte die Hanseaten auf Kurs. Foto: Christian Charisius
Der HSV kann doch noch zu Hause gewinnen: Paolo Guerreros 1:0 gegen Hoffenheim brachte die Hanseaten auf Kurs. Foto: Christian Charisius

Der Hamburger SV hat seinen Heimfluch in der Fußball-Bundesliga besiegt. Die Hanseaten feierten mit dem 2:0 (1:0) gegen 1899 Hoffenheim den ersten Erfolg vor eigenem Publikum seit 246 Tagen.

Der Peruaner Paolo Guerrero (25.) und Marcell Jansen (65.) bescherten mit ihren Toren Thorsten Fink im vierten Bundesligaspiel den ersten Sieg als HSV-Trainer. Durch den Sieg verließen die Norddeutschen die Abstiegsplätze. Der VfB Stuttgart hat nach drei sieglosen Bundesliga-Spielen wieder gewonnen. Durch einen 2:1-Erfolg gegen Schlusslicht FC Augsburg verbesserten sich die Schwaben auf Tabellenplatz sechs. Der Österreicher Martin Harnik (41./51.) mit einem Doppelpack erzielte die VfB-Tore beim schmeichelhaften Erfolg. Tobias Werner (47.) mit seinem ersten Saisontor sorgte für den zwischenzeitlichen Ausgleich. Aufsteiger Augsburg bleibt nach der siebten Saisonniederlage mit gerade einmal acht Punkten Tabellenletzter.

Der 13. Spieltag der Bundesliga stand jedoch unter einem unglücklichen Stern. Der Selbstmordversuch von Rafati löste an allen Spielorten Betroffenheit aus. Gespielt wurde mit Ausnahme von Köln überall. Auch in München, wo der BVB das Bayern-Solo beendete. «Es ist eine außergewöhnliche Situation, wenn einer unserer Schiedsrichter einen Suizidversuch unternimmt», sagte Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), betroffen. Abgesehen von der wegen des Dramas abgesagten Partie zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 rollte der Ball trotzdem weiter. Im Schlagerspiel stoppte dabei Meister Dortmund vorerst das Solo des FC Bayern (1:0), Borussia Mönchengladbach erinnerte beim 5:0 gegen Werder Bremen im zweiten Liga-Hit an die legendäre «Fohlen-Elf»-Ära der 70er Jahre.

«Es war nicht so, dass wir die Sterne vom Himmel gespielt hätten, wir haben die Sterne vom Himmel verteidigt», freute sich BVB-Coach Jürgen Klopp über das taktische Meisterstück, mit dem der Durchmarsch der Bayern erstmal beendet ist. «Es war kein Hurra-Fußball.» Vielmehr rangen die Dortmunder in einem aufopfernden Stellungskampf die Münchner nieder. «Wir brauchen nicht vom Titel sprechen. Wir sind einfach froh, dass wir den Anschluss haben», meinte Torschütze Mario Götze.

«Alle, die gemeint haben, die Meisterschaft ist Weihnachten entschieden, können sich auf eine spannende Saison freuen», sagte Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger missmutig. Noch steht der Rekordmeister mit zwei Punkten Vorsprung an der Spitze. «Wir können aus der Position der Stärke die Dinge von oben anschauen», betonte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge nicht ohne Trotz, sagte aber auch. «Das Ganze ist jetzt an der Spitze zusammengewachsen.»


Die Spannung in der Liga ist auch Dank Borussia Mönchengladbach weiterhin groß, die Borussia fegte mit Zauber-Fußball wie zu Zeiten von Hennes Weisweiler die Bremer vom Platz. Als Magier erwies sich dabei Jung-Nationalstürmer Marco Reus, der allein drei der fünf Tore schoss. «Wollt ihr die Liga auseinandernehmen?», fragte Werder-Profi Lukas Schmitz beim Trikottausch Reus. Gladbachs Trainer Lucien Favre freute sich über die Tore-Gala des Tabellen-Dritten, wollte sich aber vom Erfolgsrausch nicht benebeln lassen: «Wir sollten das genießen und nicht von irgendeiner Tabellensituation sprechen.»

Auf Werder-Seite gab es nichts zu beschönigen. «Katastrophal», urteilte Kapitän Clemens Fritz über den blamablen Auftritt. Und sein Sportdirektor Klaus Allofs stellte süffisant fest: «Damit sind wir kein Bayern-Jäger, sondern höchstens Punktejäger.»

Schließlich ist nach der Pleite der FC Schalke 04, der den 1. FC Nürnberg mit 4:0 noch tiefer in den Liga-Keller schoss, an den Hanseaten vorbeigezogen. Zufrieden war Trainer-Nörgler Huub Stevens dennoch nicht: «Wir haben effektiv, aber nicht gut gespielt.» Vielmehr profitierten die «Königsblauen» von den Mängeln der Franken, denen nach acht sieglosen Spielen ein besonders kalter Winter droht. «Einige Spieler müssen im Schnelldurchlauf lernen, dass sie sich wie Männer wehren müssen», forderte FCN-Coach Dieter Hecking.

Langsam in Tritt scheint der VfL Wolfsburg zu kommen. «Wir sind dabei, zusammenzuwachsen», freute sich Trainer Felix Magath nach dem 4:1 im Niedersachsenderby gegen Hannover 96. Der Coach hatte Patrick Helmes, Sotirios Kyrgiakos und Jan Polak rausgeworfen. «Hier ist kein Chaos, hier ist auch keine Wundertüte», meinte Magath, der für die Personalrochade vom Kollegen Mirko Slomka gelobt wurde: «Das war schon ein cleverer Schachzug.»

Dank eines Doppelpacks von Stefan Reisinger konnte der SC Freiburg eine weitere Heimpleite gegen Hertha BSC (2:2) vermeiden. Aufregung gab es um einen dritten Treffer in der 81. Minute, den Schiedsrichter Markus Wingenbach auf Intervention der Berliner nicht anerkannte: Der Referee hatte zuvor den Ball bei einer Ecke, die zum Tor geführt hatte, nicht freigegeben. «Ich war selbst mal Schiri. Ich weiß, wie schwer das ist», zeigte Reisinger Verständnis für Wingenbach.

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