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Lotteriespiel? Passives Abseits erhitzt Gemüter

Frankfurt/Main (dpa) - 17.10.2011, 20:57 Uhr

Herbert Fandel ist der Schiedsrichter-Chef des DFB. Foto: Marius Becker.
Herbert Fandel ist der Schiedsrichter-Chef des DFB. Foto: Marius Becker.

Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel hat die umstrittene Regel zum passiven Abseits im Fußball verteidigt.

«Wir versuchen, uns damit zu arrangieren. Abseits ist immer schwierig, da wird es immer ein Grummeln geben», sagte der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichter-Kommission der Nachrichtenagentur dpa.

Bernhard Peters, Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung bei 1899 Hoffenheim, hält die Abseitsregel sogar für überflüssig. «Man müsste die ganze Regel einfach abschaffen», sagte er dem Bremer «Weser-Kurier». Er beruft sich auf Erfahrungen aus seiner Zeit als Hockey-Bundestrainer. Im Hockey wird seit 1996 ohne Abseits gespielt. Das Spiel sei attraktiver geworden, so Peters.

Nach einem Bundesliga-Wochenende mit einigen viel diskutierten Entscheidungen drängt Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter für die Referees beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), indes erneut auf ein Ende der Doppelbestrafung mit Roter Karte und Elfmeter für eine Notbremse. «Wir wünschen uns natürlich, dass es in absehbarer Zeit hierzu eine klare Regeländerung gibt, dass die Schiedsrichter nicht mit dieser Diskussion konfrontiert werden», sagte Fröhlich im ZDF-Morgenmagazin.

Peter Sippel hatte den Schalker Torwart Ralf Fährmann gegen den 1. FC Kaiserslautern (1:2) nach einem Foul im Strafraum an Dorge Kouemaha vom Platz gestellt. «Wir können unsere Schiedsrichter nicht in die Bredouille bringen, das bestehende Regelwerk insofern zu beugen, dass man sagt: Ich bin gefühlt der Meinung, hier ist eine Rote Karte zu viel», betonte Fröhlich und plädierte für eine Modifizierung. «Hier einen Strafstoß zu geben und allenfalls Gelb zu zeigen, ist völlig ausreichend.»


Der DFB ist jedoch sowohl beim passiven Abseits als auch in der Frage Rot/Notbremse strikt an die Vorgaben des Weltverbandes FIFA gebunden. Im zweiten Fall strebt der DFB seit längerem auf internationaler Ebene eine Regeländerung an. Der Antrag wurde von dem für Regelfragen zuständigen International Football Association Board (IFAB) im vergangenen März an eine «FIFA Task Force Football 2014» verwiesen. «Bis zur WM in Brasilien sollte die Entscheidung gefallen sein», sagte DFB-Lehrwart Lutz Wagner.

Beim passiven Abseits waren die Bundesliga-Schiedsrichter in der Vergangenheit recht großzügig, wenn der betroffene Spieler nicht in die Begegnung eingegriffen hat. Doch von der Besprechung des «Referee Assistence Program» von FIFA und UEFA im Mai in Düsseldorf haben Fröhlich und Wagner die Anweisung mitgebracht: «Wenn der im Abseits stehende Spieler das Spiel wieder kreuzt, soll eher die Fahne kommen.» Das heißt, wenn ein im Abseits stehender Profi den Torwart oder einen Abwehrspieler nur leicht irritiert, wird abgepfiffen.

«Früher war fast alles Abseits», erklärte Wagner. «Jetzt haben sich die Grenzen verschoben. Einen Graubereich wird es immer geben. Das macht die eine oder andere Entscheidung schwierig.»

Der Schiedsrichter-Lehrwart stellte am Montag die drei umstrittenen Szenen mit dem passiven Abseits vom Wochenende in das Videoportal für die Spielleiter. Dort werden immer zu Wochenbeginn die Partien aufgearbeitet. Richtig entschieden haben nach Ansicht Fandels die Unparteiischen in Mainz und Bremen.

In Mainz erkannte Marco Fritz (Korb) ein Tor des FSV-Profis Nicolai Müller nicht an, weil dessen Kollege Eric-Maxim Choupo-Moting im passiven Abseits stand. In Bremen blieb zählte das 2:0 für Dortmund durch Patrick Owomoyela, obwohl sich Werder-Torwart Sebastian Mielitz durch BVB-Profi Robert Lewandowski beeinflusst sah.

Nicht eindeutig zu bewerten war laut Fröhlich die Entscheidung von Jochen Drees, der in der Partie 1. FC Köln - Hannover 96 am Sonntagabend ein Tor für 96 durch Sergio Pinto nicht gab, weil Didier Ya Konan Kölns Keeper Michael Rensing gestört haben soll. «Das ist ein Ermessensspielraum», meinte der frühere Bundesliga-Schiedsrichter. Der Mainzer Manager Christian Heidel dagegen wünscht sich eine klare Linie. «Das ist doch ein Lotteriespiel. Da ist ja allem Tür und Tor geöffnet, weil der Schiedsrichter - egal, wie er entscheidet - immer recht hat.»

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