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Tim Borowski: Der vergessene Nationalspieler

Bremen (dpa) - 14.10.2011, 11:29 Uhr

Tim Borowski kommt nicht recht in Tritt. Foto: Carmen Jaspersen
Tim Borowski kommt nicht recht in Tritt. Foto: Carmen Jaspersen

Für Tim Borowski sieht es derzeit recht finster aus. Seiner Arbeit geht der ehemalige Fußball-Nationalspieler beim Bundesligisten Werder Bremen seit geraumer Zeit im dunklen Keller des Weserstadions nach - im Fitnessraum.

Wegen hartnäckiger Sprunggelenksprobleme war zuletzt nicht mehr als Radfahren möglich. «Ich bin genervt», gibt der 31-Jährige zu. Immerhin gibt es in den nächsten Tagen - oder schlimmstenfalls sogar Wochen - tagsüber wieder Tageslicht. Für mindestens zehn Tage ist der verhinderte Mittelfeldspieler wieder einmal mit Krücken unterwegs. «Um das Gelenk still zu halten.»

Vor einem Jahr, als Borowski im Training einen Schlag auf das Sprunggelenk bekam, begannen die Leiden. In der vergangenen Saison spielte die einstige Mittelfeldhoffnung des deutschen Fußballs gerade viermal von Beginn an. In dieser Saison reichte es nur zu 61 Minuten. Im Pokal war er beim 1:2-Aus in Heidenheim dabei. «Wir sind schon besorgt. Immer, wenn er wieder vor dem Comeback steht, ist er wieder zurückgeworfen worden», berichtet Werder-Manager Klaus Allofs.

Wenn sich nichts ändert, wird es eng. Im kommenden Sommer läuft der Vertrag in Bremen aus. Derzeit ist es mehr als fraglich, dass der Kontrakt noch einmal verlängert wird. «Dass er uns nicht oft zur Verfügung stand, spielt schon eine Rolle», gibt Allofs zu.

Von all dem will Borowski nichts wissen. Wenn er wenigstens mal wieder schmerzfrei vor den Ball treten könnte, wäre er schon glücklich. «Ich will vorerst mal zwei Monate ohne Schmerzen trainieren. Wenn ich dann fit bin, können wir reden.» Was genau ihm seit einem Jahr Schmerzen bereitet, trotz Operation, trotz Medikamenten, trotz Spritzenkur, trotz täglich mehrstündiger Behandlungen, ist unklar. Sagt Borowski zumindest: «Ich würde es ja gerne erklären, ich kann es aber nicht.» Sagen will er nichts über die genaue Diagnose.


Angefangen hat der Abstieg zum fast Vergessenen eigentlich schon viel früher. 2008 hat sich Borowski verwechselt. Auf dem vermeintlichen Höhepunkt seines Könnens ging er zu Bayern München, wurde dort aber wie schon Andreas Herzog und Torsten Frings vor ihm als Ex-Bremer nicht glücklich. 26 Spiele, fünf Tore - richtig schlecht lief es noch nicht einmal, aber er war halt kein Stammspieler. 20 Mal wurde Borowski unter Jürgen Klinsmann und Jupp Heynckes eingewechselt. Schon 2009 kehrte er reumütig zu Werder zurück.

«Wenn seine Leistungen stimmen, wovon wir ausgehen, dann ist es für mich keine Frage, dass er wieder ein Thema für die Nationalmannschaft wird», hatte sein Coach Thomas Schaaf damals gesagt. Das war ein Irrglaube. Das letzte seiner bislang 33 Länderspiele absolvierte Borowski beim 3:2-Viertelfinalsieg bei der EM 2008 gegen Portugal. Aktuell ist Borowski so weit von der Nationalelf entfernt wie Bremen von München.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass irgendwann eine Behandlung anschlägt. Und wenn der Krückenversuch nichts bringt? «Ich habe da von einer Klinik in Zürich gehört», sagt Borowski. «Einer Spezialklinik.» Zuversicht klingt anders.

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