Chancentod statt Held: Reus vor erstem Länderspiel
Freiburg (dpa) - 02.10.2011, 10:17 Uhr
Marco Reus (l) geht gemeinsam mit Ersatzkeeper Christofer Heimeroth geknickt vom Platz.
Marco Reus und Borussia Mönchengladbach - das passt gut zusammen. Das Überraschungsteam und sein Star sind hoch veranlagt, aber noch nicht ausgereift, beim 0:1 in Freiburg vergab vor allem Reus mehrere gute Chancen. Trotzdem steht er jetzt endlich vor dem ersten Länderspiel. Marco Reus muss sich vorgekommen sein wie ein Popstar, als er von der Kabine zum Mannschaftsbus schlich. «Marco, Marco», kreischten einige Fans von Borussia Mönchengladbach, die ihren Frust über die völlig unnötige 0:1 (0:1)-Niederlage beim SC Freiburg nicht gerade am nächsten Bierstand herunterspülten. Reus selbst war nicht nach Geschrei zumute, dafür ärgerte ihn sein eigener Anteil am vorläufigen Ende des Gladbacher Höhenflugs viel zu sehr. «Wir hätten unsere Chancen besser nutzen müssen - ich natürlich auch. Wenn wir das 1:1 machen, gewinnen wir noch», haderte der 22-Jährige, der von einem halben Dutzend guter Borussen-Chancen die beiden mit Abstand dicksten vergeben hatte (48./90.+2). «Andererseits ist es nicht so, dass wir jeden Gegner in Grund und Boden spielen können. Wir müssen mit Rückschlägen rechnen. Wir sind auch nach der Niederlage gegen Schalke zurückgekommen.»
Was sein Standing in Gladbach angeht, ist es im Grunde aber völlig egal, ob er ein Spiel fast allein entscheidet oder daraus viel mehr hätte machen können, ob die Borussia gegen den Abstieg spielt wie in der vergangenen Saison oder immer noch auf einem Champions-League- Platz steht wie zurzeit. Reus ist immer der Publikumsliebling bei seinem Club und fast immer auch der auffälligste Spieler. Und wenn nicht schon wieder etwas schiefgeht, wird er in dieser Woche auch noch die Tradition eines Berti Vogts oder Rainer Bonhof fortsetzen und der nächste deutsche Nationalspieler dieser ewigen Talentschmiede vom Niederrhein werden. «Ich freue mich natürlich», sagte der Dribbelkünstler über seine Einladung zu den Länderspielen gegen die Türkei und Belgien. Und fügte den in seinem Fall nicht ganz unerheblichen Satz hinzu: «Alles ist okay.» Reus reist nicht zum ersten Mal zur Nationalmannschaft - aber gleich viermal musste er danach verletzt wieder nach Hause fahren. «Es ist egal, wann ich mein Debüt feiere. Hauptsache ich feiere es überhaupt», meinte er. |