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Werder trotz Wiese-Rot Spitze - «Verrücktes Spiel»

Nürnberg (dpa) - 18.09.2011, 19:47 Uhr

Der Bremer Keeper Tim Wiese (M) flog in der 17. Minute wegen einer Notbremse vom Platz.
Der Bremer Keeper Tim Wiese (M) flog in der 17. Minute wegen einer Notbremse vom Platz.

Manager Klaus Allofs sprach von einem «verrückten Spiel» - und auch Thomas Schaaf hatte schon ruhigere Tage auf der Trainerbank erlebt. «Langweilig war es nicht, es war mal wieder richtig was los.

Dafür haben wir erstmal selbst gesorgt, als wir uns nach einer Viertelstunde schwächen», schilderte der Coach der Bremer, die erstmals seit über viereinhalb Jahren wieder als Tabellenführer der Fußball-Bundesliga übernachten durften.

«Das bedeutet insofern etwas, als dass wir viele Dinge gut und richtig gemacht haben. Das kann man als Kompliment sehen.» Angesichts der Roten Karte für Tim Wiese nach 16 Minuten und einer langen Abwehr- und zeitweiligen Regenschlacht waren die im Vergleich zur Vorsaison wiedererstarkten Hanseaten nach dem 1:1 (1:0) beim 1. FC Nürnberg auch mit der Punkteteilung zufrieden.

Dass sich die Münchner dann den ersten Tabellenrang durch ein 2:0 beim FC Schalke 04 am Sonntagabend zurückholten, war für die Bremer nicht wichtig. «Wir wollen einfach Punkte einkassieren», betonte Allofs. «13 Punkte sind in Ordnung. Darauf müssen wir aufbauen und weitermachen.» Und auch Rang zwei war den Bremer Profis nach dem 1600. Liga-Spiel von Werder (2501 Punkte) nicht unrecht.

«Ich guck mir natürlich lieber die Tabelle an, wenn man oben steht als wenn man unten steht», sagte Bremens Kapitän Clemens Fritz und hatte beim kuriosen Kick in Franken auch eine ungewöhnliche Werder-Spielweise ausgemacht. «Normalerweise sind wir ja für unseren offensiven Fußball bekannt. Heute war das ein bisschen umgedreht.»


Anders als in der missratenen vergangenen Saison präsentiert sich Werder wieder als Spitzenteam. Am Samstag aber mussten die Bremer, die zuletzt am 31. Januar 2007 die Nummer 1 in der Bundesliga waren, nach dem Ausschluss von Nationaltorwart Wiese vor allem verteidigen. Weit vor dem eigenen Tor hatte der 29-Jährige nach einem missglückten Klärungsversuch FCN-Offensivkraft Christian Eigler festgehalten und wurde zum dritten Mal in der Bundesliga des Feldes verwiesen.

«Eine dumme Aktion», meinte Wiese und sah den Fauxpas als einen «kleinen Weckruf» an. Danach habe die Mannschaft «super verteidigt», lobte der Keeper, der sich beim Team entschuldigte.

Zu tun hatten die schon nach sechs Minuten durch die Verletzung von Sokratis Papastathopoulos (Muskelfaserriss) geschwächte Abwehr und Wiese-Vertreter Sebastian Mielitz mehr als ihnen lieb war. 13:0 lautete das Eckenverhältnis, immerzu rannten die Franken an. «Gefühlte 100 Flanken» und jede Menge Torschüsse registrierte «Club»-Trainer Dieter Hecking, «aber so richtig klare Torchancen waren nicht dabei, das ist auch ein Verdienst von Werder Bremen». Und auf Nürnberger Seite fehlte der gesperrte Torjäger Tomas Pekhart umso mehr.

Für Pekhart musste Philipp Wollscheid (62.) nach einem Eckball als Ausgleichstorschütze einspringen. Beim Treffer des Nürnberger Innenverteidigers hatte sich das Training am Kopfball-Pendel unter der Woche ausgezahlt, auf Bremer Seite lohnte sich die Berufung des ehemaligen «Club»-Spielers Mehmet Ekici anstelle des verletzten Marko Marin in die Startformation. Denn Ekici war bei einem von insgesamt zwei Bremer Torschüssen mit dem 1:0 nach 24 Minuten zur Stelle. «Das war ein wichtiges Tor, aber es hat trotzdem nicht gereicht», meinte der 21-Jährige.

Wie alle beklagte auch Ekici in der Schlussphase der ersten Hälfte, als monsunartiger Regen und Hagel den Rasen in eine Wasserlandschaft verwandelten, die Bedingungen. Die Schuhe seien «auf einmal doppelt so schwer gewesen», kein Ball mehr gerollt. Nach über 30 Minuten Pause war der Platz dann so weit abgetrocknet, dass es weiter gehen konnte. Und auch Schiedsrichter Jochen Drees dürfte aufgeatmet haben: Denn kurioserweise war er im April 2008 der Unparteiische in Nürnberg, als die Partie gegen Wolfsburg wegen eines Unwetters abgebrochen werden musste.

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