Holger Stanislawski, Trainer von 1899 Hoffenheim, zeigte sich «traurig, dass heutzutage mehr über als mit den Menschen gesprochen wird. Es ist für mich unfassbar, wenn so negativ über Kollegen gesprochen wird. Offenbar haben die Leute, die das tun, zu viel Freizeit oder ihr eigenes Leben ist zu uninteressant.» Lahm hatte am Donnerstag beim FC Bayern München trainingsfrei und hält den richtigen «Zeitpunkt, über mein Buch zu reden», ohnehin nicht für gekommen. In den Handel geht das 265 Seiten dicke Werk am 29. August, offiziell vorgestellt wird es erst am 25. September - im Münchner Volkstheater. Der von Lahm gescholtene Magath versuchte es mit einer ironischen Replik. «Soll ich mir graue Haare wachsen lassen, wenn jemand, dem ich zum Bundesligaspieler verholfen habe und der im bezahlten Fußball zuvor noch keine Rolle gespielt hat, eine Meinung vertritt - so fundiert sie auch sein mag...», sagte Magath. Lahms Sammelsurium an ausgeplauderten Team-Interna aus dem engsten DFB-Zirkel dürfte Löw nicht besonders lustig finden, obwohl ihm im Gegensatz zu den arg kritisierten Trainerkollegen Klinsmann, Völler, Felix Magath und Louis van Gaal durchweg geschmeichelt wird. «Jogi Löw ist ein präziser Denker mit einem guten Gespür für die taktischen Möglichkeiten einer Mannschaft», schreibt Lahm unter anderem über seinen Förderer. Sollte Lahm sanktionsfrei bleiben, würden Löw und dem DFB bei künftigen verbalen Indiskretionen Argumente für mögliche Strafen fehlen. Für Torwart Toni Schumacher war nach seinem Autoren-Debüt («Anpfiff») 1987 die DFB-Karriere beendet. Lothar Matthäus musste zehn Jahre später nach seinem «Geheimen Tagebuch» beim FC Bayern die Kapitänsbinde abgeben. Für Löw wird es abseits der laufenden Funktionärsgespräche darum gehen, die Gemüter zu beruhigen, um seine Auswahl mit der nötigen Akribie auf das EM-Qualifikationsspiel am 2. September in Gelsenkirchen gegen Österreich vorbereiten zu können. Ein Sieg würde vorzeitig das EM-Ticket sichern und nach dem Testspiel am 6. September in Danzig gegen EM-Gastgeber Polen weitere Experimentiermöglichkeiten zum Qualifikationsabschluss in der Türkei (7. Oktober) und gegen Belgien (11. Oktober) bescheren.
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