Lucien Favre: Ein Trainer, zwei Meinungen
Mönchengladbach (dpa) - 19.05.2011, 17:46 Uhr
Trainer Lucien Favre hat Borussia Mönchengladbach aus der Lethargie befreit.
In seinem Heimatland genießt er einen hervorragenden Ruf, in seiner Wahlheimat sind die Meinungen gespalten. Momentan ist Lucien Favre in Fußball-Deutschland wieder der «Wundermann». Der 53 Jahre alte Schweizer hat dem totgeglaubten fünfmaligen deutschen Meister Borussia Mönchengladbach im Bundesliga-Endspurt neues Leben eingehaucht. «Seine Arbeit ist für unseren Erfolg entscheidend. Er hat uns Selbstvertrauen gegeben», lobte Mönchengladbachs Abwehr-Ass Dante den Coach. Der zweifache Familienvater gilt als leise, aber sehr präzise arbeitend. «Er ist ein hervorragender Stratege und bekannt dafür, einer Mannschaft Struktur zu geben», sagte Borussias Sportdirektor Max Eberl. Unter diesen Gesichtspunkten wurde Favre im Februar als Nachfolger von Michael Frontzeck auf der Trainerbank vorgestellt. Die aktive Karriere des Nationalspielers (24 Einsätze) war 1985 durch ein Foul von Pierre-Albert Chapuisat gestoppt worden. Der Vater von Ex-Stürmer Stéphane Chapuisat (Borussia Dortmund) musste Favre danach für dessen erlittene schwere Knieverletzung Schmerzensgeld bezahlen.
Auf dem Spielfeld einst ein kreativer Mittelfeldstratege, denkt und plant Favre an der Seitenlinie inzwischen langfristig. «Ein Konzept-Trainer - für schnelle Notoperationen weniger geeignet», schrieb die «Neue Zürcher Zeitung». Und die «Süddeutsche Zeitung» attestierte dem oft schüchtern wirkenden 53-Jährigen, «nicht gerade als Spezialist für psychologisch knifflige Situationen bekannt zu sein». In Mönchengladbach tritt Favre den Gegenbeweis an. «Er ist von seinem taktischen Verständnis her einer der besten Trainer, die ich kennengelernt habe», lobte Dieter Hoeneß. Der Manager hatte Favre im Sommer 2007 als fünften Eidgenossen nach Marcel Koller (1. FC Köln und VfL Bochum), Hanspeter Latour (1. FC Köln), Martin Andermatt (SSV Ulm) und Rolf Fringer (VfB Stuttgart) in die Bundesliga geholt und bei Hertha BSC mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet. Doch die Ehe mit der «alten Dame» hielt gerade zwei Jahre. |