St. Paulis schwere Mission: Rettung statt Tränen
Hamburg (dpa) - 14.04.2011, 14:23 Uhr
Ralph Gunesch fühlt sich nach dem angekündigten Weggang von St. Paulis Trainer Holger Stanislawski «leer im Kopf».
Es scheint, als habe Trauer den FC St. Pauli gelähmt. Der angekündigte Abschied von Trainer Holger Stanislawski zum Saisonende hat Tränen und Leere beim Bundesligisten hinterlassen, obwohl jetzt mit voller Kraft Klassenverbleib und Trainersuche in Angriff genommen werden müssen. Das Team hat den bislang schmerzhaftesten Nackenschlag dieser Saison erhalten, weil, wie das «Hamburger Abendblatt» schrieb, mit dem Fortgang des Trainers «das Herz von St. Pauli» bald nicht mehr in Hamburg schlage. Im Abstiegskampf soll die Mannschaft aber über sich hinauswachsen und das Steuer herumreißen. Wie will St. Pauli das schaffen? Gerade beim Abstiegs-Hit des Tabellenvorletzten FC St. Pauli beim Relegationsplatzhalter VfL Wolfsburg am 16. April sollen die Hamburger ihren Überlebenswillen in der 1. Liga beweisen. Die Mannschaft jedoch hatte bei Stanislawskis Abschiedsrede anderes erkennen lassen. Entsetzen war in den Augen der Spieler zu lesen. Abwehrakteur Ralph Gunesch sprach von einer «Leere im Kopf», andere können sich nicht vorstellen, wie es ohne den Lenker, den Kumpel, «ohne die Konstante im Verein», wie Mittelfeldspieler Fabian Boll bekundete, weitergehen soll.
Abwehrspieler Fabio Morena gestand selbst 24 Sunden später ein: «Wir haben das noch nicht verarbeitet. Das geht nicht spurlos an uns vorbei.» Stanislawski selbst rätselt, wie er trotz Trübsal engagierte, motivierte und erfolgshungrige Spieler in Wolfsburg aufs Feld schicken kann. Schließlich hat die Mannschaft siebenmal am Stück verloren und trudelt mit gefährlicher Schlagseite durch die Restsaison. «Vielleicht geben jetzt alle noch mal fünf Prozent mehr, wo es raus ist», spekuliert der scheidende Coach. «Wir haben realistische Chancen.» Allerdings hat der Motivator sein eigenes Vermögen beim Saisonausklang selbst kleingeredet. Es sei «ein Punkt erreicht, wo die Kraft und Energie weg sind», gestand das 41 Jahre alte St.-Pauli-Urgestein, das in den vergangenen Monaten acht Kilo Gewicht verloren hat. «Meine Batterie wurde immer leerer, irgendwann lädt sich der Akku nicht mehr auf.» Die bange Frage der Fans: Wie viel Saft hat der Coach beim finalen Akt noch? Stanislawski versucht, die Anhänger zu beruhigen: «Es ist nicht so, dass ich für die letzten fünf Wochen keine Kraft mehr hätte.» |