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Medien: Bayern zieht Reißleine - Aus für van Gaal

Nürnberg (dpa) - 10.04.2011, 10:39 Uhr

Louis van Gaal soll als Trainer des FC Bayern München entlassen worden sein.
Louis van Gaal soll als Trainer des FC Bayern München entlassen worden sein.

Trainer Louis van Gaal muss sofort gehen, sein Assistent Andries Jonker soll den FC Bayern vor dem «Horrorszenario» Europa League bewahren. Einen Tag nach dem 1:1 (1:0) beim 1. FC Nürnberg trennte sich der FC Bayern laut «Kicker» und «Süddeutsche Zeitung» vom niederländischen Coach.

Zum Saisonende war das Ende der Zusammenarbeit bereits beschlossene Sache, jetzt ging alles noch viel schneller. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht, laut FC Bayern soll es am Sonntag «Gespräche» geben. Bereits am Samstagabend, nach dem durch einen Patzer von Torhüter Thomas Kraft leichtfertig verspielten Sieg in Nürnberg, hatten die besorgten Bayern-Bosse dem Vernehmen nach über die prekäre Situation beraten. Nicht nur die verpassten Punkte, sondern auch die Art und Weise, wie sie verspielt wurden, gaben höchsten Anlass zur Besorgnis. Wie in der Spielzeit 2007/08 droht wieder die 2. Liga Europas. Dazu sorgte Arjen Robben am Samstag mit einer Roten Karte wegen Beleidigung nach dem Schlusspfiff für den unrühmlichen Höhepunkt.

«Wir brauchen uns nicht beschweren, wenn wir solche Fehler machen. Dann gehören wir nicht zum oberen Drittel», sagte Bastian Schweinsteiger. Riesengroß ist die Sorge, das Minimalziel Champions League zu verpassen und nur in der Europa League spielen zu dürfen. «Daran will keiner denken», sagte Kapitän Philipp Lahm.

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Bis Jupp Heynckes am 1. Juli übernimmt, soll Jonker zusammen mit FCB-Urgestein Hermann Gerland retten, was noch zu retten ist. Nach dem Remis vom Samstag und Hannovers 2:0-Sieg gegen den FSV Mainz sind die Münchner wieder nur Vierter. «Das ist bitter, weil wir uns Platz drei letztes Wochenende hart erarbeitet haben - und nach einem Spieltag ist er schon wieder weg», meinte Lahm.

Zwar entschuldigte sich Robben nach der Kurzschluss-Reaktion beim von ihm beleidigten Referee Knut Kircher und seinen Mitspielern. Unterschwellig klang beim Niederländer aber auch Kritik am wieder einmal enttäuschenden Auftritt des Rekordmeisters an. «Wir müssen nächstes Jahr Champions League spielen, und dafür muss man alles machen. Und wenn wir dann wieder so ein Spiel weggeben, dann bin ich einfach sehr sauer», sagte Robben. «Aber ich muss das dann mit meinen Mitspielern in der Kabine machen und nicht auf dem Platz mit dem Schiri.» Von jedem Akteur fordert er «200 Prozent».


Geschätzte zwei Spiele dürfte der beste Rückrundenmann der Münchner ausfallen. Das erste Mal ebenso wie der gelb-gesperrte Holger Badstuber am Sonntag gegen Bayer Leverkusen, wenn ausgerechnet der künftige Coach Heynckes mit seinem Team den Bayern einen weiteren Schubser in Richtung «Verlierer-Cup» geben kann.

Im 182. bayerisch-fränkischen Derby, in dem die Nürnberger erst nach der Pause dagegenhielten und ihre Ambitionen auf die Europa League wahrten, brachten sich die Münchner selbst um einen Sieg. Vorne waren Mario Gomez & Co. zu harmlos, hinten war ein Fauxpas von Kraft für das Gegentor verantwortlich. Scheinbar hatte der aus seinem Tor gestürmte Jung-Keeper den Ball unter Kontrolle, lupfte diesen aber schlampig auf Kapitän Lahm - Christian Eigler hob den Ball aus etwa 40 Metern ins leere Bayern-Tor.

«Von zehnmal im Training geht er vielleicht drei- oder viermal rein», frohlockte «Club»-Torschütze Eigler. Wortlos verließ der von van Gaal zur Nummer 1 beförderte Kraft das Stadion und machte deutlich, dass er noch lange nicht die Qualität des umworbenen Nationaltorwarts Manuel Neuer vom FC Schalke 04 hat. «Er weiß selber, dass er einen Fehler gemacht hat», sagte Schweinsteiger. «Aber wir gewinnen als Mannschaft und verlieren als Mannschaft.» So fühlte sich das Remis also an.

Mit finsteren Mienen registrierten die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge den nächsten Rückschlag auf dem erhofften Weg in die Champions League. Udinese Calcio, Stade Rennes oder Athletic Bilbao könnten im nächsten Jahr statt Inter Mailand, Manchester United oder dem FC Barcelona die Gegner sein. Vom «Horrorszenario» Europa League sprach Thomas Müller, der vor 48 548 Zuschauern im ausverkauften Nürnberger WM-Stadion das 1:0 nach Vorarbeit von natürlich Robben erzielt hatte, schon vor Wochen. Damals hatte sich der Verein mit van Gaal über eine Vertragsauflösung zum Saisonende geeinigt. Nun muss der Trainer doch früher gehen.

So schlimm die Europa League für die Münchner wäre - für Nürnberg wäre sie ein Traum. «Wenn wir den fünften Platz erreichen können, wollen wir ihn auch mitnehmen», sagte Eigler, dessen Team erst nach der Pause mit vollem Derby-Einsatz zur Sache ging. «In der Halbzeit hab' ich gesagt: Entweder wie gehen mit fliegenden Fahnen unter oder wir beißen uns zurück», sagte Trainer Dieter Hecking. «Ein Punkt gegen den FC Bayern ist immer gut.»

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