Talentschmieden: Abwerbe-Alarm trotz Superbilanz
Mönchengladbach (dpa) - 29.03.2011, 15:39 Uhr
Ligapräsident Reinhard Rauball spricht berichtet über die Nachwuchs-Leistungszentren der Vereine.
Der deutsche Profifußball ist stolz auf seine Talentschmieden, sorgt sich aber über immer aggressivere Abwerbe-Versuche und den Einfluss von Spielerberatern schon bei ganz jungen Talenten. «Das hat Auswüchse angenommen. Die Tendenz ist einfach alarmierend», erklärte Andreas Rettig, Manager des Zweitligisten FC Augsburg und zugleich Leiter der Kommission Leistungszentren bei der Deutschen Fußball Liga (DFL). Jüngst hatte Hertha BSC allen Scouts der TSG Hoffenheim in Berlin Stadionverbote erteilt und sich bei der DFL über Abwerbepraktiken des Erstligisten beschwert. «Wir haben den Brief von Hertha BSC mit Sorge zur Kenntnis genommen und können den Vorgang nicht gut heißen», sagte DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus zu dem Fall. «Es ist auch nicht ersichtlich, dass ein 14-Jähriger einen Spielerberater braucht. Da wird eine Pseudo-Bedeutung vorgegaukelt, die uns das Leben schwer macht», bemerkte Rettig zu dem anderen Problem.
Sogar 12-Jährige werden schon in Wechselabsichten verstrickt. Die DFL will nach der 2007 von den Vereinen wieder aufgekündigten Selbstverpflichtung, keine Talente aus anderen Leistungszentren abzuwerben, zumindest eine Altersbeschränkung ab 15 oder 16 Jahren erreichen, «um diesen Blödsinn einzuschränken», sagte Rettig. Liga-Präsident Reinhard Rauball forderte «eine Vereinbarung der Vernunft» und will dafür auch die Spielerberater «mit ins Boot holen». Letztlich könne das Problem jedoch nur durch ein Reglement der Europäischen Fußball-Union (UEFA) geklärt werden. Insgesamt aber wertet die DFL die vor zehn Jahren eingeführte Pflicht, dass Erst- und Zweitligisten ein eigenes Nachwuchszentrum betreiben müssen, als «Erfolgsstory» (Rauball). Die deutschen Proficlubs haben seit 2001 mehr als 600 Millionen Euro in die 36 Talentschmieden investiert. In der laufenden Saison sind es 90 Millionen Euro, rund doppelt so viele wie vor zehn Jahren. 275 der derzeit 525 Erstliga-Spieler haben ein deutsches Leistungszentrum durchlaufen. Der Altersdurchschnitt der Bundesligaprofis ist von 27,09 Jahren in der Saison 2001/02 auf derzeit 25,77 Jahre gesunken. |