Am Zug scheint zunächst Jupp Heynckes. Der 65 Jahre alte Hoeneß-Kumpel hat seinen auslaufenden Vertrag bei Bayer Leverkusen bislang nicht verlängert - und nun kommen auch noch die Bayern ins Spiel. Sie hatten Heynckes als Interimslösung nach der Entlassung von Jürgen Klinsmann Ende April 2009 aus dem vorzeitigen Ruhestand geholt und machten ihn in der Bundesliga wieder salonfähig: Mit 13 Punkten aus fünf Spielen führte «Don Jupp» die Bayern auf Platz zwei und damit direkt in die Champions League. Van Gaal hat dafür noch neun Spiele. In Leverkusen sind sie alarmiert: «Es müssen bald Nägel mit Köpfen gemacht werden», sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser der Nachrichtenagentur dpa zu der Hängepartie. Sportdirektor Rudi Völler sagte dem «Münchner Merkur», man gehe «gelassen» mit den Spekulationen um Heynckes und den angeblich ebenso von den Münchnern umworbenen Mittelfeldspieler Arturo Vidal um. «Ich kann mir Jupp ehrlich gesagt nicht in München vorstellen», meinte Völler. Dabei wäre es schon Heynckes' dritte Amtszeit beim Rekordchampion, den er 1989 und 1990 zu zwei Meistertiteln führte. Heynckes sagte der «Welt», dass seine noch ausstehende Entscheidung in Leverkusen nicht im Zusammenhang mit der Entwicklung bei anderen Vereinen stünde. «Die Verantwortlichen bei Bayer wissen, dass ich einfach noch etwas Zeit für meinen Entschluss brauche.» Völler preist die aktuellen Vorzüge Bayers gegenüber Bayern an: «Unser Verein steht gut da, wir sind Zweiter, sind auf Champions-League-Kurs - wir müssen uns nicht verstecken, haben schon auch was zu bieten.» Heynckes ist unverschuldet in eine prekäre Situation geraten, zumal die Bayern ein direkter Konkurrent um die Champions-League-Plätze sind und es Ende April in München zum direkten Duell Bayern kontra Bayer kommt. Was passiert, wenn Heynckes sich vorher nicht entscheiden will oder dem FC Bayern gar sein Ja-Wort geben sollte? Für die Bayern wäre der Hoeneß-Freund eine willkommene Übergangslösung. Sie greifen in der Not gerne auf Bewährtes zurück, auch Udo Lattek und Ottmar Hitzfeld waren zweimal Trainer in München. Ein, zwei Jahre mit Heynckes würden Zeit geben, um dann womöglich an Trainer zu kommen, die jetzt nicht verfügbar sind, wie Dortmunds angehenden Meistertrainer Jürgen Klopp oder Bundestrainer Löw. Noch aber ist van Gaal da, mit dem man die aktuelle «schwierige Situation meistern» will, wie Rummenigge sagte. Die Spieler sollen nun unbelastet von der Trainerfrage für den Verein und ihre eigenen Ziele in Bundesliga und Champions League alles geben. Sportdirektor Christian Nerlinger ist überzeugt, dass das Vabanquespiel mit einem Trainer auf Abruf gelingen kann: «Das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft ist nicht zerrüttet.» Zeigen muss sich das auf dem Platz.
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