Vertrag unterzeichnet, ersten Heimsieg eingefahren und die Europa League immer noch in Sichtweite: Neuling Marco Pezzaiuoli darf als Chefcoach von 1899 Hoffenheim erstmal aufatmen.
«Wir sind glücklich, dass wir das erste Heimspiel seit Oktober gewonnen haben», sagte der 42-Jährige nach dem 3:2 (2:0)-Sieg in der Fußball-Bundesliga gegen Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern und konnte sich eine kleinen Seitenhieb gegen seinen Vorgänger Ralf Rangnick nicht verkneifen: «Die Mannschaft ist momentan mental unglaublich stark, das ist vielleicht der Unterschied zu Vorrunde.»
Vor der Winterpause hatten die Nordbadener gleich fünfmal in der Schlussminute oder Nachspielzeit einen Treffer kassiert. Dieses Mal retteten sie den Vorsprung über die Zeit. «Zum Schluss war es schon sehr brenzlig», räumte Abwehrspieler Andreas Ibertsberger ein. Vor 30 150 Zuschauern in der ausverkauften Rhein-Neckar-Arena hatten Gylfi Sigurdsson (28. Minute) und Sebastian Rudy (40.) 1899 mit 2:0 in Führung gebracht. Innerhalb von nur eineinhalb Minuten war der Vorsprung dahin, als der eingewechselte Erwin Hoffer (58.) und Rodnei (59.) den Ausgleich schafften. Doch Hoffenheim schlug durch Vedad Ibisevic (62.) gleich zurück.
Beim Versuch, seiner Mannschaft nach dem Abgang von Luiz Gustavo und Demba Ba ein neues Gesicht zu geben, ist Pezzaiuoli damit ein Stück weiter gekommen. «Wir sind auf keinen Fall schwächer geworden», erklärte Ibertsberger, der seinen Platz als linker Verteidiger bravourös gegen Edson Braafheid verteidigt. Für den vom FC Bayern gekommenen niederländischen Nationalspieler hat der 1899-Coach noch keine so rechte Verwendung. Aber Braafheid ist nach seinem völlig verkorksten Debüt sowieso erst einmal weg vom Fenster: Nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung flog er vom Platz, weil er gegen Lauterns Christian Tiffert nachtrat. Braafheids stürmenden Landsmann Ryan Babel, der für sieben Millionen Euro vom FC Liverpool geholt wurde, war bei seiner Heim-Premiere recht unauffällig.
Trotz des zweiten Sieges hintereinander will Pezzaiuoli partout nicht von seiner Marschroute abrücken, erst einmal den Klassenverbleib zu sichern. «Wir haben gut eingekauft», frohlockte Manager Ernst Tanner, obwohl der 4-Millionen-Mann Roberto Firmino aus Brasilien noch keine Minute gespielt hat, und versprach: «Wir werden noch mehr als die fünf Punkte holen, die wir zum Klassenerhalt brauchen.»
Dass sein neuer Coach, der in der vergangenen Woche einen Kontrakt bis 2013 mit einjähriger Option bei den Hoffenheimern unterzeichnete, im Gegensatz zu Rangnick kein großer Rhetoriker ist, stört Tanner nicht: «Mir ist es lieber, wenn er weniger redet und mehr Punkte holt.» Man wolle nicht den Fehler der vergangenen Jahre wiederholen und «hochtrabenden Zielen nachlaufen».
Beim 1. FC Kaiserslautern, der sich einen Abstieg aus finanziellen Gründen kaum erlauben kann, hat endgültig der Existenzkampf in der ersten Liga begonnen. Die Verantwortlichen reagierten sehr ruhig auf den erneuten Rückschlag: Nach vier Spielen in der Rückrunde sind die Pfälzer immer noch sieglos. «Das ist keine Situation, die uns überrascht. Ich mache mir keine Sorgen», sagte Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz. Trainer Marco Kurz sprach von einer «Hürde», einem «Moment, der nicht gut ist» und meinte: «Wir haben den Anspruch, nächste Saison wieder erste Liga zu spielen, dann müssen wir auch die Qualitäten dafür nachweisen.»