VIP-Plätze im Visier - Noch keine Auswirkungen
Berlin (dpa) - 01.12.2010, 13:55 Uhr
Ein Blick in eine Loge des VIP-Bereichs des Hamburger SV.
Das Geschäft mit den VIP-Plätzen in der Fußball-Bundesliga boomt weiter, doch ein Eingriff des Staates könnte die Clubs in Zukunft Millionen kosten. Mehr als 50 000 Plätze für die «besonders wichtigen Gäste» gibt es in den Stadien von Hamburg bis München. Zwischen 200 und 250 Millionen Euro fließen durch den Verkauf der Logen und Business-Sitze pro Saison in die Kassen der Bundesliga-Clubs. Eine wichtige Größe - sieht man im Vergleich den überlebenswichtigen TV-Vertrag, der derzeit im Schnitt 412 Millionen Euro pro Spielzeit einbringt. Inzwischen aber sind die VIP-Plätze ins Visier von Steuerbehörden und der Staatsanwaltschaft geraten. Genauer: Die von den Logenmietern eingeladenen Gäste. Es geht um geldwerte Vorteile, Vorteilsgewährung und sogar Bestechung, die verfolgt werden können. Zwar melden viele Clubchefs wie Bayerns Finanzvorstand Karl Hopfner für die Logen sogar noch «ausverkauft». Doch für Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), ist es schon jetzt ein Problem, das angepackt werden muss. Auch der Sportausschuss des Bundestages hatte das Thema auf seine Tagesordnung gesetzt.
Der Staat hat das Antikorruptionsrecht verschärft. Der Bundesgerichtshof sorgte mit seinem Urteil vom 14. Oktober 2008 für Unsicherheit. Unter dem Zeichen «BGH 1 StR 260/08» ist zu lesen: «Unter einem Vorteil ist jede Leistung zu verstehen, auf die der Amtsträger keinen Anspruch hat und die seine wirtschaftliche, rechtliche oder auch nur persönliche Lage objektiv verbessert.» Unter materiellen Zuwendungen sind explizit auch «Eintrittskarten für regulär entgeltpflichtige Veranstaltungen, auch wenn sie der Wahrnehmung von Repräsentationsaufgaben dienen», genannt. Die Sponsoren sind alarmiert. Denn bleiben ihre eingeladenen Gäste aus Angst vor Strafen aus, macht die Anmietung von Logen oder VIP- Sitzen keinen Sinn mehr. «Es ist sicher nicht die Absicht der Politik, mittelfristig die Durchführung von Sport- und anderen Veranstaltungen, die immer auch von Sponsoren mitfinanziert werden, unmöglich zu machen. Aber darauf könnte es am Ende hinauslaufen, wenn keine Lösung gefunden wird, was die Hospitality-Problematik betrifft», erklärte DFL-Chef Seifert in der «Sport Bild». |