Die Münchner waren zum Siegen verdammt. Dementsprechend engagiert, fokussiert und präsent begann das Starensemble von van Gaal, der zum dritten Mal nacheinander der gleichen Startelf vertraute. Mit geschicktem Positionsspiel und phasenweise schnellem Passspiel arbeiteten sich die Münchner vor das Nürnberger Tor; gleich beim ersten gelungenen Angriff klingelte es. Gomez verwertete einen schönen Doppelpass zwischen Danijel Pranjic und Toni Kroos zu seinem zehnten Tor in den letzten acht Pflichtspielen. Für den agilen Pranjic war es bereits der fünfte Assist in dieser Saison. Mut- und harmlos fanden die Franken gegen die kluge Raumaufteilung der Favoriten kein Mittel. Aggressive Zweikampfführung Fehlanzeige. Vom magischen Dreieck um Bayern-Leihgabe Mehmet Ekici, Ilkay Gündogan und Julian Schieber war zunächst überhaupt nichts zu sehen. Immer wieder setzten die Gastgeber Nadelstiche über das linke Duo Pranjic und Kroos. Bei einen Kopfball von Martin Demichelis (24.) und einem Freistoß von Hamit Altintop (43.) hätten die Bayern auf 2:0 erhöhen können - aber richtig zwingend war der FC Bayern vor der Pause nicht. Nürnberg tauchte in der 37. Minute erstmals vor dem Bayern-Tor auf, doch Jens Hegeler hämmerte den Ball zwei Meter drüber. «Sie spielen ganz ordentlich. Sie kontrollieren das Spiel, aber es ist nichts Hochklassiges», analysierte Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer in der Pause. Dafür ging es auf dem Weg in die Kabine umso aufregender zu. Schweinsteiger und Pinola gifteten sich an, und ähnlich intensiv ging es im zweiten Durchgang weiter. Mit dem Anpfiff zur zweiten Hälfte war die Nürnberger Selbstfindungsphase endgültig vorbei. Giftig in den Zweikämpfen, zielstrebig im Spiel nach vorn verpassten die Gäste durch Schieber zweimal den Ausgleich (53./54.). Mitten in dieses Zwischenhoch schlugen die Bayern eiskalt zu. Club-Torhüter Raphael Schäfer konnte Gomez nur noch per Foul bremsen - den fälligen Elfmeter verwandelte Lahm in seinem 150. Bundesliga- Spiel zum 2:0 (57.). Die Nürnberger schüttelten sich kurz und blieben dran. Pinolas Schuss rasierte den Außenpfosten (61.), die Partie war jetzt um eine Klasse besser als vor der Halbzeit. Nach Ribérys umjubelter Einwechslung hätte der Superstar beinahe gleich bei seiner ersten Aktion das 3:0 vorgelegt. Seine butterweiche Hereingabe konnte der ebenfalls eingewechselte Müller im 50. Liga- Spiel jedoch nicht nutzen. Gomez machte es vier Minuten besser und alles klar. Drei Minuten vor dem Ende vergab der Schwabe sogar noch den höchsten Saisonsieg. Nach Ribérys Zuckerpass wurde Müller von Pinola gelegt, doch Gomez schoss den Elfer in den Nachthimmel. Im Spitzenspiel am kommenden Samstag bei Bayer Leverkusen wird wieder ein anderer schießen. «Ich war 100 Prozent sicher», sagte Gomez, «vielleicht war ich mir zu sicher. Schade, jetzt muss ich mich wieder hinten anstellen.»
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