In einem handschriftlich verfassten Brief hatte die Witwe den Wunsch geäußert, das Grab nicht zu betreten und Blumen oder Gestecke auf einer Rasenfläche abzulegen. Die Bevölkerung kam diesem Wunsch nach. Nur eine Hand voll Anwohner versammelte sich rund um die Zufahrt zum Friedhof. Blicke auf das Grab waren erst nach der Zeremonie möglich. Auch an der Todesstelle in der Nähe des Bahnhofs Eilvese in der Gemeinde Neustadt am Rübenberge blieben Anteilsbekundungen aus. Es lagen diesmal keine Blumen am Gleisrand. Die DFB-Delegation fuhr mit Enkes Witwe nach der Trauerfeier nach Barsinghausen zum Mittagessen, wo alle Beteiligten auch über die Robert-Enke-Stiftung sprachen. Die Stiftung, deren Vorsitzende Teresa Enke ist, setzt sich für Maßnahmen zur Depression-Bekämpfung ein. Bei einem Trauermarsch am Abend nahmen die etwa 1000 Fans einen ähnlichen Weg wie im vergangenen Jahr zum Stadion. Damals hatten sich allerdings mehr als 30 000 Menschen beteiligt. Auch am Stadion, in dem vor einem Jahr rund 40 000 Menschen an einer bewegenden Trauerfeier teilgenommen hatten, gedachten zuvor deutlich weniger Fußballfans ihrem Idol. Bereits am frühen Morgen um 6.00 Uhr betraten die ersten zehn Menschen ein extra eingerichtetes, 35 Quadratmeter großes, weißes Gedenkzelt. Teilweise waren aber mehr Journalisten und Kamerateams von TV-Stationen anwesend als Trauernde. In einem «Buch der Gedanken» schrieben die Fans ihre Erinnerungen auf. Eine Frau trug sich unter Tränen in das aufgestellte Buch ein, eine andere legte weiße Rosen nieder. «Ich komme da nicht drüber hinweg», sagte ein Fan, der bereits vor einem Jahr am Stadion getrauert hatte. «Es kommen keine Unmengen von Menschen. Schüler auf dem Weg zur Schule und Menschen auf dem Weg zur Arbeit schauen vorbei und halten für kurze Zeit inne. So hatten wir das erwartet und gewünscht», berichtete 96-Pressechef Andreas Kuhnt. Der Bundesligist verzichtete bewusst auf größere eigene Aktionen. Die Spieler trainierten unter Ausschluss der Öffentlichkeit. 96-Clubchef Kind hatte jüngst eingeräumt, dass die riesige Anteilnahme und Trauer im vergangenen Jahr eine zu große Last für die Profis gewesen sei. Die Stadt Hannover will in Gedenken an den aus Jena stammenden Torhüter eine Zufahrtstraße zum Stadion in «Robert-Enke-Straße» umbenennen. «Hannover 96 und die Witwe Teresa Enke sind damit einverstanden. Das war für mich eine wichtige Voraussetzung», sagte Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD). Die endgültige Entscheidung fällt der Stadtrat am 16. Dezember, die Zustimmung gilt als sicher.
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