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Enke-Todestag: Stille Einkehr und kein Rummel

Hannover (dpa) - 09.11.2010, 17:58 Uhr

Am Grab von Robert Enke werden Theo Zwanziger und Joachim Löw Kränze niederlegen.
Am Grab von Robert Enke werden Theo Zwanziger und Joachim Löw Kränze niederlegen.

Stille Einkehr und kein großer Rummel - der erste Todestag von Robert Enke soll am 10. November in Hannover ruhig verlaufen. Die Tragödie um den ehemaligen Nationaltorwart macht auch ein Jahr danach viele Menschen traurig und betroffen.

Doch anders als im vorigen November, als die Anteilnahme ungeahnte Dimensionen annahm und zu der größten Trauerfeier im deutschen Sport führte, wird diesmal in einem sehr viel kleineren Rahmen an den beliebten Fußballprofi von Hannover 96 erinnert. Er litt unter Depressionen und ließ sich am 10. November 2009 von einem Zug überfahren.

«Trauer ist persönlich, sie ist nicht kollektiv. Jeder muss für sich die Entscheidung treffen», sagte 96-Präsident Martin Kind. Der Bundesligaclub verzichtet auf eine große Trauerfeier oder einen Gedenkgottesdienst. Kind und Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke schließen sich der Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) unter der Führung von Theo Zwanziger an. Der DFB-Präsident, Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff wollen an Enkes Grab auf dem kleinen Friedhof Empede bei Hannover Kränze niederlegen. «Am Todestag an ihn zu denken, an sein Grab zu treten, das ist selbstverständlich für mich», sagte Zwanziger.

Auf Wunsch der Witwe Teresa Enke ist die Öffentlichkeit bei der kleinen Zeremonie ausgeschlossen. Die 96-Profis bleiben ebenfalls unter sich. Coach Mirko Slomka hat ein Vormittags-Training ohne Zaungäste angesetzt. Freunde, Fans und Enkes Mitspieler können sich in einem extra aufgebauten Zelt im Nordbereich des Stadions an den Profi erinnern. Dort sind Trauergegenstände wie Blumen, Schals und Bilder ausgestellt, die die Menschen vor einem Jahr spontan an der Arena niedergelegt hatten. Der Verein hat die Utensilien reinigen und konservieren lassen. Sie können so dauerhaft erhalten bleiben.

Die Stadt Hannover stellt eine Straße im Stadionbereich vor, die in Robert-Enke-Straße umbenannt werden soll. Zudem haben mehrere Fans im Internet zur Teilnahme an einem Trauermarsch am Abend aufgerufen. Ob das eine große Sache wird, bleibt abzuwarten. Vor einem Jahr waren am Tag nach Enkes Suizid mehr als 30 000 Menschen von der Innenstadt zum Stadion marschiert - an der Spitze der damalige 96-Coach Andreas Bergmann und Manager Schmadtke.


Zuvor hatte Teresa Enke in einer bewegenden Pressekonferenz erstmals über die schwere Krankheit ihres Mannes berichtet. Die damalige evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann lieferte in ihrer Trauerandacht in der Marktkirche («Fußball allein ist nicht unser Leben») die Vorlage für DFB-Präsident Zwanziger und dessen Rede bei der großen Trauerfeier. Sein Satz «Fußball ist nicht alles» wird auch die nächsten Jahre nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

Der DFB-Präsident hält weiterhin engen Kontakt zu Teresa Enke («Sie ist eine ganz, ganz starke Frau») und möchte am Todestag an ihrer Seite sein: «Das werden wieder schwere Stunden», sagte Zwanziger. Auch Enkes Berater Jörg Neblung sowie Buch-Autor Ronald Reng, die Freunde des aus Jena stammenden Profis waren, wollen nach Empede fahren. In dem Dorf bei Neustadt am Rübenberge lebt Teresa Enke mit Adoptivtochter Leila auch nach dem Tod ihres Mannes.

Sie ist Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung, die über Depressionen aufklären will. Rund vier Millionen Menschen sollen in Deutschland unter der Krankheit leiden, die weiterhin viele Rätsel aufgibt. Der Tod des Torwarts hat zwar nicht die Spielregeln des Fußballs und des Leistungssports geändert - die Reaktionen der Öffentlichkeit sind aber ein Schritt zur Enttabuisierung des Themas Depressionen.

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