Der Fußball knüpft ein Anti-Stress-Netzwerk
Köln (dpa) - 09.11.2010, 14:07 Uhr
Jens Kleinert von der Deutschen Sporthochschule in Köln.
Die Versprechen waren groß, die Erwartungen auch. Und tatsächlich: Ein Jahr nach dem Selbstmord von Robert Enke entsteht im Fußball ein Netzwerk zur Stressprävention. Wie der Sportpsychologe Jens Kleinert in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sagte, entwickeln die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die Spielergewerkschaft VDV zusammen mit Wissenschaftlern seit Monaten ein System, um Profis präventiv Unterstützung vor psychischen Problemen anbieten zu können. «Auch die Robert-Enke-Stiftung und der DFB haben Interesse an einer Kooperation gezeigt», sagte Kleinert. «Der Blick ist immer noch zu wenig auf psychologisches Training oder auf die Prävention von Stress und Burnout gerichtet», sagte Kleinert. Es müsse noch mehr Angebote geben wie «Mentaltalent». Die Deutsche Sporthochschule in Köln bietet jungen Athleten mentales Training zur Stressbewältigung an. Kleinert ist Projektleiter.
Während sich «Mentaltalent» an junge Kaderathleten richtet, soll das gerade entstehende Netzwerk im Fußball den Profis dabei helfen Rückschläge zu verarbeiten und Burnout oder Depressionen erst gar nicht entstehen zu lassen. «Da wir alle mehr Rückschritte als Lösungen haben, ist es ebenso wichtig mit Niederlagen umzugehen wie Erfolge zu genießen. Manchen fällt das schwerer, denen wollen wir helfen», sagte Kleinert. Mehr Menschlichkeit, Maß und Balance hatte DFB-Präsident Theo Zwanziger vor einem Jahr gefordert. Sein Satz «Fußball ist nicht alles» blieb in Erinnerung. Doch seit Robert Enkes Tod haben sich die Bedingungen in der Leistungsgesellschaft Profisport nach Kleinerts Ansicht nicht wesentlich verändert: «Der andere kann zwar mein Freund sein, ist aber häufig auch mein Konkurrent. Es ist daher schwer, die Mitspieler mit einzubeziehen», sagte er. Die Scheu über Regenerations- und Stressprobleme zu sprechen, sei noch immer groß. |