Karlsruhe (dpa) - Nach dem noch schmeichelhaften 1:3 (1:1) beim Aufsteiger Karlsruher SC und der dritten Niederlage hintereinander in der Bundesliga wollte sich BVB-Trainer Doll zuerst nicht «hinstellen und losledern», doch nach der Pressekonferenz platzte ihm dann doch der Kragen.
«Das, was wir zur Zeit abliefern, hat nichts mit Bundesliga-Fußball zu tun», wetterte der 41-Jährige. «Kein einziger Spieler kann sich heute aus der Verantwortung stehlen. Das war ein komplettes Versagen.»
Lustlos die Spieler, trostlos die Ergebnisse, ratlos der Trainer: Borussia Dortmund fällt immer tiefer, und Trainer Thomas Doll findet die Reißleine einfach nicht. Nach Abpfiff hatten sich nur Stürmer Nelson Valdez und ein paar Ersatzspieler in die Kurve mit den eigenen Fans gewagt, die immer wieder vergeblich gerufen hatten: «Wir wollen euch kämpfen sehen!» Vor 29 290 Zuschauern besaß der BVB in der gesamten Spielzeit eine einzige Chance, die Manndecker Christian Wörns per Kopf zum vorübergehenden Ausgleich (41.) nutzte. Massimilian Porcello (25.), Mario Eggimann (64.) und Sebastian Freis (75.) mit dem ersten Stürmertor des KSC in dieser Saison trafen auf der Gegenseite.
Nach dem 0:3 zu Hause gegen Hamburg hatte Doll bereits seine Mannschaft zusammengefaltet. «Jeder kann mir glauben, dass ich nach dem HSV-Spiel die richtigen Worte gefunden habe», meinte er nun. Doch seine Spieler haben diese wohl ebenso wenig gehört oder gelesen wie den Appell von Manager Michael Zorc: «Ich will eine andere Mannschaft auf dem Platz sehen.»
«Ich will jetzt endlich eine Reaktion sehen», forderte der Borussia-Coach und zählte auf, was seine Mannschaft alles hätte besser machen müssen: Zum Beispiel mit mehr Herz und Überzeugung in das Spiel gehen, mehr an sich glauben. «Daran müssen wir in Ruhe arbeiten.» Ob ihm dafür in Dortmund noch genügend Zeit bleibt? «Ja», antwortete Doll mit tonloser Stimme.
Ein gutes halbes Jahr nach seinem Amtsantritt steht er jedoch bereits mit dem Rücken zur Wand. Zorc war unmittelbar nach Spielbeginn auf Tauchstation gegangen. Einige Fans brüllten vor dem Mannschaftsbus so laut («Wir haben die Schnauze voll»), dass es bis zu Doll in den Presseraum des Wildparkstadions drang.
Beim KSC hingegen herrschte nach dem fünften Sieg im achten Spiel und dem Sprung auf den dritten Tabellenplatz unbändige Freude. «Wir sollten das nicht überbewerten, aber die Punkte, die wir jetzt haben, die nimmt uns keiner mehr», sagte Freis. Eine Spitze gegen die BVB-Innenverteidigung mit Wörns (35) und Robert Kovac (33) konnte sich der Torschütze nicht verkneifen: «Die sind jetzt schon in einem fortgeschrittenen Alter, da kommt man nicht so schnell hinterher.»
«Wir müssen schön auf dem Boden bleiben», warnte Kapitän Eggimann, doch für solche Situationen hat der KSC einen Spezialisten: Edmund Becker. Der Trainer, pragmatisch und doch taktisch gewieft, ist längst ein Glücksfall für den Verein, der nach neun Jahren ohne Bundesliga-Fußball nicht genug kriegen kann von Toren und Triumphen. «Ein ganz, ganz großes Kompliment an meine Mannschaft», sagte Becker und verwies die Schulterklopfer darauf, dass sich der wahre Charakter einer Mannschaft erst dann zeigt, wenn es mal nicht so läuft.
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