Champions League 2004 „schlanker“ – Dickes Geschäft

26.05.2004 12:31

Wolfgang Holzhäuser (r) mit Bayer-Manager Calmund im April 2003.

Gelsenkirchen (dpa) – Die Champions-League-Finalisten von 2002, Bayer Leverkusen und Real Madrid, müssen am 10./11. August zur ersten Fußball-Zusatzschicht antreten.

Während es für den Bundeslisten ein Jahr nach dem Fast-Abstieg ein unerwarteter Glücksfall ist, gilt der verpatzte direkte Einzug in die kommende Königsklasse für den Rekordsieger des europäischen Landesmeister-Wettbewerbs als Schmach. In der dritten Ausscheidungsrunde haben die Madrilenen übrigens prominente Gesellschaft: Auch der entthronte englische Meister Manchester United und Italiens Renommierclub Juventus Turin müssen in die Niederung der Qualifikation, in der sie allerdings gesetzt sind.

Auf den ohne Umschweife in die erste Gruppenphase eingezogenen deutschen Meister Werder Bremen sowie «Vize» Bayern München wartet dennoch ein illustres Feld. So gehören zu den 16 Direktqualifizierten Spaniens neuer Titelträger FC Valencia, Arsenal London, der FC Porto oder Ajax Amsterdam.

Auf jeden Fall können sich Bremer wie Münchner auf einen großen Zahltag nach dem Endspiel am 25. Mai 2005 in Istanbul freuen. So werden insgesamt rund 530 Millionen Euro (814 Mill. Schweizer Franken) an alle 32 Clubs ausgeschüttet, aufgeteilt in Prämien und Ausschüttungen aus dem TV-Pool. Aus diesem Grund konnte beispielsweise Bayer Leverkusen in der Champions-League-Saison noch 29,44 Millionen Euro kassieren, obwohl keine Partie in der Zwischenrunde mehr gewonnen wurde.

Diese fetten Einnahmen sollen durch ein schlankeres Programm 2004/2005 nicht abnehmen, dafür soll aber die sportliche Attraktivität gesteigert werden. Auch um die enorme Belastung der Spiele zu verringern, wird die Zwischenrunde zu Gunsten eines im K.o.-System ausgetragenen Achtelfinals abgeschafft. Insgesamt werden nur noch 125 statt wie bisher 157 Partien ausgetragen. Bisher musste jeder Club 16 Spiele bestreiten, um ins Finale zu kommen.

Das neue Modell hat viele Freunde, aber auch einige Gegner. «Ich bleibe dabei. Die Abschaffung der Zwischenrunde ist ein Fehler. Es ist nicht gesagt, dass es dadurch interessanter wird. Wir haben 2001/2002 da unsere besten Spiele gemacht», kritisierte Leverkusens Finanz-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser den neuen Modus.

Zufrieden ist dagegen der deutschen Privatsender Sat.1 mit der Resonanz der TV-Übertragungen der jetzt abgelaufenen Champions League-Saison. «Das neue Konzept hat sich bewährt. Vor allem die Highlight-Auswahl ist bei den Zuschauern gut angekommen», sagte Sat.1-Sprecherin Jutta Kehrer vor dem Finale 2004 zwischen dem FC Porto und AS Monaco in Gelsenkirchen. Im Gegensatz zum Vorgänger RTL durfte der ehemalige Bundesligasender seine 13 Live-Partien wahlweise am Dienstag oder Mittwoch ausstrahlen. Der Dienstag war zuvor für den Pay TV-Sender Premiere reserviert, der alle Champions League-Spiele zeigt.

Die Quoten sprechen für Sat.1: Trotz des frühen Aus von Bayern München im Achtelfinale haben nach Senderangaben 7,45 Millionen Zuschauer im Schnitt die zwölf Live-Spiele (vier ohne deutsche Beteiligung) im Viertel- und Halbfinale verfolgt. Der Marktanteil liegt bei 24,8 Prozent. Das sind rund zwei Millionen Zuschauer mehr als in der letzten RTL-Spielzeit. Besonders die beiden Bayern-Spiele gegen Real Madrid (12,06 und 12,87 Millionen) trieben die Quote in die Höhe.

Auch in der nächsten Saison bleibt Sat.1 der deutsche Champions League-Sender. Der Dreijahresvertrag mit einem geschätzten Volumen von rund 80 Millionen Euro endet 2006. Bis dahin ist auch der Premiere-Vertrag mit der Agentur TEAM befristet, die für die UEFA die Champions League vermarktet.

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