Zehntausende Fans zittern mit deutscher Elf

Zehntausende Fans zittern mit deutscher Elf
Fans der deutschen Frauen-Nationalmannschaft schauen in Frankfurt am Main das Spiel gegen Nigeria.

Berlin (dpa) – «Uff, geschafft» statt «Oh, wie ist das schön»: Einige zehntausend Fans haben am Donnerstagabend mit der deutschen Nationalelf um den 1:0-Sieg gegen Nigeria gezittert.

Beim Public Viewing unter freiem Himmel oder in Kneipen und Bars hatten sich viele wieder auf ihre deutschen «Sommermädchen» gefreut, die beim WM-Auftaktsieg am Sonntag die Fans begeistert hatten. Stattdessen gab es eher gedämpfte Stimmung mit einigen wenigen emotionalen Momenten.

Im ausverkauften Frankfurter Stadion sorgten die rund 48 000 Zuschauer zwar bisweilen für ordentliche WM-Gänsehautatmosphäre, doch eine ausgelassene Feierstimmung wie am Wochenende im Berliner Olympiastadion blieb weitgehend aus. Prominentester Fan im Stadion war diesmal nicht Bundeskanzlerin Angela Merkel als «Fußball-Glücksbringer», sondern Alt-Kanzler Helmut Kohl, der von WM-Cheforganisatorin Steffi Jones sehr herzlich begrüßt wurde.

Gellende Pfiffe – wie sonst eher beim Männerfußball üblich – gab es bei einigen brutalen Fouls der Nigerianerinnen und gegen die schwache Schiedsrichterin; außerdem wurde die mäßige Leistung der deutschen Elf zur Halbzeitpause mit Pfiffen bedacht. Der 1:0-Siegtreffer durch Simone Laudehr in der 54. Minute drehte dann die Stimmung: Gelöster Jubel und Standing Ovations sowie «Jetzt geht’s los»-Gesänge und «Deutschland, Deutschland»-Rufe erfüllten die Arena.

Auf der Fanmeile der Stadt – der größten in Deutschland – war alles wieder schwarz-rot-gold: 10 000 Fans in Trikots, mit Fahnen, Hüten oder Blumenketten in den Deutschlandfarben verbreiteten echte WM-Atmosphäre vor den drei LED-Wänden – allerdings hatten hier beim ersten Spiel noch 15 000 Menschen gefeiert. Doch Kurt Stroscher, einer der Veranstalter der «Fußballgärten» am Mainufer, war guter Stimmung: «Der WM-Hype ist heute zum ersten Mal richtig spürbar.»

Das konnte man nicht für alle WM-Feste behaupten: In Sinsheim spielte das Wetter zwar mit, dafür aber nicht die Fans. Bei milden Temperaturen und blauweißem Himmel verirrten sich nur wenige hundert Zuschauer auf die Fanmeile des kleinsten Austragungsortes bei der Frauenfußball-WM. Auch das lautstarke Einpeitschen einer Trommel-Combo, die fast in der ganzen Stadt zu hören war, konnte nicht mehr Zuschauer anlocken. Beim Sonntagspiel Deutschland gegen Kanada hatten sich noch rund 3500 Zuschauer dicht an dicht auf dem Burgplatz gedrängt.

In Berlin war die Stimmung noch ein wenig trister: Bei grau verhangenem Himmel und empfindlich-kühlen Temperaturen verloren sich gerade einmal 100 Zuschauer vor der Leinwand des «Bundespressestrandes», der immerhin Platz für bis zu 3000 Fans bietet. Noch dazu gab es eine schlechte Nachricht für die Fans in der Hauptstadt: Eine richtige Fanmeile wird in Berlin wohl nicht eingerichtet. Es gebe dazu «bislang weder Planungen, Absichten noch konkrete Maßnahmen», sagte eine Senatssprecherin am Nachmittag. Das WM-Organisationskomitee hatte zuvor berichtet, Berlin prüfe nach dem erfolgreichen Auftakt nun doch eine Fanmeile am Brandenburger Tor.

In den drei nordrhein-westfälischen WM-Spielorten Mönchengladbach, Bochum und Leverkusen kamen zusammengenommen einige tausend Fans zum Public Viewing zusammen. In Mönchengladbach allein hatten am Sonntag sogar 5000 Fans den 2:1-Sieg der Deutschen über Kanada bejubelt. Bei den anderen WM-Spielen ohne deutsche Beteiligung hielt sich die Begeisterung der Fans jedoch in überschaubaren Grenzen. Im Wiesbadener Kurpark stieg eine Fußball-Party in der Konzertmuschel mit 400 Fans – ungefähr halb so viele wie erwartet.