Kampfgeist rettet Bayern 1:1 gegen Lyon

Kampfgeist rettet Bayern 1:1 gegen Lyon
Lyons Torwart Hugo Lloris (l) kann den Schuss von Ze Roberto zum 1:1 nicht halten.

München (dpa) – Mit großem Kampfgeist hat der weiterhin verunsicherte FC Bayern München eine drohende Niederlage im Rekordmeister-Duell gegen Olympique Lyon vermieden, aber beim 1:1 (0:1) gegen die Franzosen einen großen Schritt Richtung Achtelfinale der Champions League verpasst.

Ze Roberto sorgte mit einem für ihn seltenen Kopfballtor (52. Minute) für das mehr als verdiente Unentschieden vor 64 000 Zuschauer in der nicht ausverkauften Allianz Arena. Der Brasilianer bewahrte den erneut personell experimentierenden Trainer Jürgen Klinsmann damit vor der dritten Niederlage in nur zwölf Tagen.

«Es war ein packendes Spiel gegen eine spielerisch sehr starke Mannschaft von Lyon», bilanzierte Klinsmann. «Es war hervorragend, wie die Mannschaft reagiert hat und immer mehr Druck ausgeübt hat. Das Tor war nur eine Frage der Zeit», meinte der Bayern-Coach nach der «beeindruckenden» Leistung. Die in der ersten Hälfte auftrumpfenden Gäste waren durch ein unglückliches Kopfball-Eigentor von Martin Demichelis (25.) in Führung gegangen. Mit vier Punkten haben die Bayern weiterhin beste Chancen für den Einzug in die K.o.-Runde. Der nächste Gegner, AC Florenz, kam vor heimischer Kulissse gegen Steaua Bukarest am zweiten Spieltag nicht über ein torloses Remis hinaus. «Wenn wir drei Punkte geholt hätten, wäre es besser gewesen», meinte Torschütze Ze Roberto.

Klinsmann blieb seiner Linie treu und verblüffte mit der Rotation des gesamten Mittelfelds. Erneut erwischte es auch Kapitän Mark van Bommel. «Seine Rolle ist gar nicht gefährdet», betonte Klinsmann aber vor der Partie. Für den Holländer rückte Demichels aus der zentralen Abwehr ebenso überraschend auf die von ihm völlig ungeliebte Position im defensiven Mittelfeld. Der Argentinier, der sich im März 2007 unter Ottmar Hitzfeld noch geweigert hatte, die Rolle zu übernehmen und suspendiert worden war, avancierte dann auch noch zum Unglücksraben.

Bei einem 45-Meter-Freistoß von Juninho köpfte er den Ball nicht entschlossen genug weg, sondern verlängerte den scharfen Schuss für Keeper Michael Rensing ebenso unglücklich wie unhaltbar ins eigene Tor. «Ein saublödes Tor aus 45 Metern. Wenn schon ein Tor, dann aber bitte nicht aus dieser Entfernung», grantelte Beckenbauer.

Eines wurde im fünften Duell der Rekordmeister schnell deutlich: Das wieder neu formierte Bayern-Team wirkte nach den beiden Liga-Schlappen gegen Bremen (2:5) und Hannover (0:1) verunsichert, suchte nach den Automatismen einer eingespielten Mannschaft und musste sich seine Chancen schwer erarbeiten. Ribéry mühte sich redlich, harmonierte auf links auf Anhieb mit Lahm und initiierte gegen seinen «Lieblingsclub» trotz mancher Fehlpässe zumeist die gefährlichsten Szenen der Bayern.

Die Franzosen, angeführt von Freistoß-Spezialist Juninho und den Angreifern Karim Benzema (5.) und Fred, dessen Kopfball Rensing in der 16. Minute mit einem tollen Fußreflex abwehrte, kontrollierten die Partie spätestens nach der Führung. Wenngleich auch die Hausherren gute Tormöglichkeiten hatten: Miroslav Klose (3.), Luca Toni (17./30./40.) und Ribéry mit einem 20-m-Kracher (23.) vergaben jedoch. Pech hatten sie bei einem Foul von John Mensah (10.) an Klose: Schiedsrichter Kyros Vassaras ließ weiterlaufen.

Grund zum Jubeln hatten die zur Pause von den Fans ausgepfiffenen Bayern dann doch. Zwar klebte dem stets präsenten Toni (48./51.) wie auch in «Squadra Azzurra» das Pech weiter an Kopf und Fuß. Der fleißige Ze Roberto machte es besser und belohnte die Bemühungen der nun von Ribéry noch mehr angetriebenen und auch tonangebenden Bayern mit seinem vierten Europapokal-Tor im 75. Einsatz. Die maßgerechte Vorlage kam von Klose. 18 Minuten vor dem Ende verpasste der aufgerückte Lucio einen Bastian-Schweinsteiger-Freistoß nur um Zentimeter, OL-Keeper Hugo Lloris konnte erst im Nachfassen klären.