Aachen und Berger gehen getrennte Wege

Aachen und Berger gehen getrennte Wege
Zeugwart Becker tröstet die Aachener Spieler Erik Meijer (M) und Cristian Fiel.

Aachen (dpa) – Nur 48 Stunden nach dem größten sportlichen Highlight seit Jahren war die heile Fußball-Welt von Alemannia Aachen nur noch Vergangenheit.

Mit der Trennung von Trainer Jörg Berger löschte der Fußball-Zweitligist alle schönen Erinnerungen an die knappe 2:3-Niederlage im Pokalfinale gegen Werder Bremen aus. «Beide Parteien haben sich bewusst zu diesem Schritt auf dem sportlichen Höhepunkt entschlossen und damit die Qualität der bisherigen vertrauensvollen Zusammenarbeit auch bei deren Beendigung fortgesetzt», hieß es in einer Erklärung des Vereins.

Unbeeindruckt vom stimmungsvollen Empfang in der Kaiserstadt, wo 6000 Menschen dem Trainer und den Spielern zugejubelt hatten, beendete die Alemannia die erfolgreichste Saison seit Jahren mit einem Paukenschlag. Denn neben der laut Pressemitteilung einvernehmlichen Trennung von Berger müssen die Alemannia-Fans einen weiteren Verlust verkraften: Wie Mittelfeldspieler Ivica Grlic bestätigte, wird er einen Dreijahresvertrag beim MSV Duisburg unterschreiben.

Damit verliert der Club zwei wichtige Säulen. Der im Oktober 2001 verpflichtete Berger hatte seinen Teil zur sportlichen und finanziellen Konsolidierung des Traditionsclubs beigetragen. Doch nach dem knapp verpassten Bundesliga-Aufstieg in der vorigen Woche und der Niederlage gegen Bremen in Berlin war es um den Betriebsfrieden geschehen. «Viele Trainerwechsel erfolgen zum falschen Zeitpunkt. Wir dagegen haben genau den richtigen Zeitpunkt gewählt», sagte Vereinspräsident Horst Heinrichs.

Auslöser einer Auseinandersetzung zwischen Trainer Jörg Berger und Heinrichs war Kapitän Karlheinz Pflipsen. Berger wollte Pflipsen nicht mehr, Heinrichs den früheren Nationalspieler aber nicht so einfach gehen lassen. «Wie das abgelaufen ist, hat mir nicht gefallen, und deshalb habe ich mich eingemischt.» So kommentierte Heinrichs die Tatsache, dass der Mittelfeldstar vor Tagen aus der Zeitung von seiner Kündigung erfahren musste. Plötzlich stand Berger in dem Kompetenz-Gerangel auf der Kippe.

Trotz der finalen Querelen überwiegt bei den Aachener Profis der Stolz. «Alles in allem kann die Mannschaft wirklich stolz sein. Wir haben eine Saison gespielt, mit der so keiner gerechnet hatte. Auch, wenn wir das Optimale nicht erreicht haben», sagte Pflipsen. Er ist von einem personellen Umbruch überzeugt: «Es scheint so, als ob viele Leistungsträger den Verein verlassen werden.» Doch erst einmal wird das Team auf Mallorca «die Mannschaftskasse auf den Kopf hauen», wie Dauerläufer Willi Landgraf ankündigte.

Heinrichs weiß, dass Eile geboten ist. Preiswerte Spieler und auch Trainer liegen nicht auf der Straße, obwohl die Alemannia allein durch das Pokalfinale 1,5 Millionen Euro eingenommen hat und als UEFA-Cup-Teilnehmer weiteres Geld in die einst völlig leere Club-Kasse kommt. «Die personellen Dinge werden wir zügig regeln und nichts auf die lange Bank schieben», sagte Heinrichs, der den neuen Coach «zu gegebener Zeit» vorstellen will.